Hauptversammlung des Autoclubs in Bochum : Der ADAC ist zurück am Boden

Die ADAC-Delegierten treffen sich an diesem Sonnabend in Bochum zur Hauptversammlung. Der neue Präsident des Autoclubs informiert über den Stand der Reform. Es könnte für August Markl ein ungemütlicher Tag werden.

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Die Last der Vergangenheit. Der ADAC trägt schwer an den Folgen der Skandale.
Die Last der Vergangenheit. Der ADAC trägt schwer an den Folgen der Skandale.Foto: Imago

Wenn August Markl von „Entherrschung und Entflechtung“ des ADAC spricht, dann bemüht sich der 66-jährige Bayer um eine besonders klare Aussprache. An diesem Sonnabend wird es der ADAC-Präsident im großen Saal des „Ruhr-Congress Bochum“ erneut versuchen. 200 Delegierte reisen an, um sich unter dem Motto „ADAC – Gemeinsam in die mobile Zukunft“ über den Stand der Reformen im 19 Millionen Mitglieder zählenden Verein informieren zu lassen.

„Entherrscht“ werden soll der Autoclub personell und organisatorisch. Das heißt: Geldverdienen und Gutes tun sollen voneinander getrennt werden. Drei Säulen werden den ADAC dabei tragen: ein Verein, eine Aktiengesellschaft und eine gemeinnützige Stiftung, die die AG kontrollieren soll. Eine „Reform für Vertrauen“ nennt der Präsident den Umbau, der bislang bestenfalls auf dem Papier nachvollziehbar ist. Man wolle keine Schnellschüsse, sondern etwas, „das für länger hält“. Tief sind die Spuren, die das Skandaljahr 2014 beim einflussreichsten Automobilclub Europas hinterlassen hat.

August Markl. Der neue Präsident, früher die Nummer zwei, soll den Umbau vorantreiben.
August Markl. Der neue Präsident, früher die Nummer zwei, soll den Umbau vorantreiben.Foto: picture alliance / dpa

„Wir waren im Krisenmodus“, beschreibt der promovierte Mediziner Markl die heftigen Turbulenzen, in die der 112 Jahre alte ADAC vor 15 Monaten geriet, nachdem Manipulationen beim Autopreis „Gelber Engel“ und andere Unregelmäßigkeiten ans Licht kamen. „Wir haben auf den Mediendruck reagiert“, sagt Markl. Seit Monaten feilen nun schon 100 Verantwortliche aus der Zentrale und den Regionalclubs an einem „sinnvollen, stimmigen Ganzen“.

Dabei geht es um mehr als das Drei-Säulen-Modell. Der ADAC braucht ein neues Leitbild, das die einst überragende Glaubwürdigkeit des Clubs wiederherstellt und verhindert, dass die Autolobbyisten für immer an politischem Einfluss verlieren. Mit Markl, der früher Vizepräsident war, an der Spitze versucht es der ADAC aus sich heraus – und mit externer Hilfe. Ein Beirat, angeführt von Unicef-Chef Jürgen Heraeus, wurde gegründet, der die Reform begleitet; in Zusammenarbeit mit Transparency hat man einen Verhaltenskodex formuliert; den Mitgliedern werden umfassende Mitspracherechte eingeräumt. „Partizipation steigern!“, ruft sich der Club in Powerpoint- Präsentationen selber zu. So sollen die Mitglieder in Zukunft direkt befragt werden. Campingplätze, Werkstätten, Gebrauchtwagen – der Club wird seine Mitglieder stärker in Tests und Bewertungen einbinden. Dabei gilt: „Gleichzeitig Testen und Verkaufen geht nicht“, sagt Markl. Früher ging das sehr gut, wenn sich Anzeigenkunden und Tests im gleichen „Motorwelt“-Magazin fanden oder Mitglieder Rabatte beim Kauf von getesteten Produkten erhielten. Inzwischen nimmt der ADAC seine 360 Produkte und Leistungen unter die Lupe, Aufräumarbeiten im Sinne der „Entflechtung“.

In den einflussreichen Regionalclubs regt sich Widerstand

August Markl räumt ein, dass der Umbau des Riesen-Clubs mehr Zeit als geplant benötigt. Frühestens 2016 werde es zu der geplanten Trennung des Vereins ADAC vom Wirtschaftsunternehmen ADAC kommen, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. Es gebe noch zu viele Details zu klären, zum Beispiel „welche Bereiche und Aktivitäten dem Verein und welche der AG zugeordnet sind“. Dennoch glaubt der moderat und freundlich auftretende ADAC-Chef an den Rückhalt der Organisation, die er seit den 1970er Jahren bestens kennt. Den Widerstand der ADAC- Regionalclubs oder anderer Vorstandsmitglieder fürchtet er öffentlich nicht. Obgleich es dafür Gründe gäbe.

Wie die „Wirtschaftswoche“ berichtet, wenden sich einflussreiche Regionalclubs gegen die Ausgestaltung der Compliance Service GmbH, die den ADAC und seine 18 Regionalclubs kontrollieren soll. Der ADAC Nordrhein schließt aus, sich an der Gesellschaft zu beteiligen. Der sächsische ADAC spricht von einem „Überwachungs- und Eingriffsvertrag“. Der ADAC verweist darauf, dass es einen einstimmigen Beschluss für eine Compliance-Richtlinie gegeben habe. Es werde nur noch über die Rechtsform diskutiert.

Auch in Bochum, so scheint es, wird ADAC-Präsident Markl an diesem Wochenende mit den Delegierten noch an der „Entflechtung“ arbeiten müssen.

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