Hauptversammlung : Eon bleiben Tumulte erspart

Auf der Hauptversammlung des Energiekonzerns Eon bleibt es angesichts der aktuellen Debatte um den Atomausstieg relativ ruhig. Dabei macht Konzernchef Teyssen aus seinen Bedenken gegen ein Ende der Atomkraft keinen Hehl.

Jürgen Flauger
Ein bisschen Protest. Bei der Eon-Hauptversammlung in Essen
Ein bisschen Protest. Bei der Eon-Hauptversammlung in EssenFoto: dpa

Essen - Schon Tage vor der Hauptversammlung hatte Eon-Chef Johannes Teyssen eine geheime Absprache mit seinem Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann getroffen. Wenn Umweltaktivisten seine Rede stören wollten, so war es vereinbart, dann würde er seine Rede unterbrechen – und den Protestierenden drei Minuten lang ein Forum lassen.

Und auch sonst legte der Manager Wert auf Transparenz – und Deeskalation: Einen Bodyguard wollte Teyssen auf keinen Fall – und griff zu einem Trick. Im Gegensatz zu den Vorjahren hielt er seine Rede nicht von einem vom Publikum aus zugänglichen Pult aus, sondern von seinem Platz auf dem erhöhten Podest, wo alle Vorstände und Aufsichtsräte sitzen. Zudem wurden die Ordner vor der Hauptversammlung psychologisch geschult und hielten sich im Hintergrund.

Kein Zweifel: Diese Maßnahmen sind vor allem eine Reaktion auf die teilweise chaotischen Zustände bei RWE. Als RWE-Chef Jürgen Großmann vor zwei Wochen ebenfalls in der Essener Grugahalle der Hauptversammlung seine Rede vortrug, wurde er mehrfach von lautstarken Atomkraftgegnern unterbrochen. „Abschalten, abschalten“, skandierten immer wieder neue Grüppchen. Mit Transparenten stürmten sie auf den massigen Vorstandschef am Rednerpult zu. Der wurde von einem Bodyguard abgeschirmt – und zog seine Rede durch.

Teyssens Mannschaft wollte besser reagieren. Der Vorstandschef akzeptiert die Sorgen und Ängste der Gesellschaft – und genau das wollte er auf dem Aktionärstreffen auch zum Ausdruck bringen. Teyssen weiß, dass sich die Welt verändert hat – und zwar nicht nur durch das Reaktorunglück in Fukushima. Die Bürger bringen sich immer stärker in das Wirtschaftsleben ein. An diesem neuen gesellschaftlichen Diskurs kommen auch die Konzernbosse nicht mehr vorbei. Durchregieren oder Nach-mirdie-Sintflut war gestern. Stattdessen erfordert die Entwicklung völlig neue Verhaltensweisen der Manager.

Teyssen hatte schon kurz nach dem Reaktorunglück von Fukushima einen moderateren Kurs eingeschlagen als Großmann. Vor der Grugahalle demonstrierten am Donnerstag gerade einmal 50 Aktivisten, bei RWE waren es mehr als 200. „Offenbar zahlt sich Teyssens moderater Kurs schon aus“, sagte ein Eon-Vertreter.

Natürlich war die Aussprache auch bei Eon kontrovers – Tumulte blieben aber aus. Über 40 Redner meldeten sich zu Wort. Eons Engagement in der Kernenergie stand genauso in der Kritik wie die geringen Aktivitäten bei erneuerbaren Energien. Und Teyssen ging keineswegs auf Schmusekurs. Er stellte klar, dass er keinen Zweifel an der Sicherheit der eigenen Anlagen hat. Und er hat Bedenken, dass Deutschland einen raschen Atomausstieg bewältigen kann.

Teyssen wagt einen schwierigen Spagat. Er muss auf die gesellschaftlichen Entwicklungen reagieren, aber letztlich vor allem auf den Wert des Unternehmens achten. „Sie können gewiss sein, dass wir bei der langfristigen Neuausrichtung der Energiepolitik Ihre berechtigten Ansprüche auf Schutz des Vermögens wahren werden“, hält er fest. Denn letztlich ist immer noch vielen Aktionären der Kurs am nächsten. Jürgen Flauger (HB)

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