Hauptversammlung in Berlin : Daimler-Aktionäre wollen überholen

Bei der Hauptversammlung in Berlin gibt es viel Kritik an Vorstand und Aufsichtsrat. Der Autohersteller will mit neuen Modellen an BMW und Audi vorbeiziehen - bis 2020.

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Konzernlenker.Finanzvorstand Bodo Uebber (v.l.), Daimler-Chef Dieter Zetsche und Aufsichtsratsvorsitzender Manfred Bischoff am Mittwoch bei der Hauptversammlung in Berlin.
Konzernlenker.Finanzvorstand Bodo Uebber (v.l.), Daimler-Chef Dieter Zetsche und Aufsichtsratsvorsitzender Manfred Bischoff am...Foto: Reuters

Ein silber-graues Modell der neuen E-Klasse steht links vor der Bühne, rechts ein neuer roter CLA, und auf dem Großbildschirm zeigt Daimler einen Schattenriss seiner neuen S-Klasse, die im Mai offiziell vorgestellt werden soll. Die „Produktoffensive“ dieses Jahres, von der Daimler-Chef Dieter Zetsche spricht, fand am Mittwoch auch auf der Hauptversammlung des Stuttgarter Autoherstellers im Berliner ICC statt. Vor rund 5000 Aktionären demonstrierten Vorstand und Aufsichtsrat Geschlossenheit und Tatendrang. Doch statt mit Aufbruchstimmung reagierten die Aktionäre frustriert.

„Aus Stuttgart nichts Neues“, provozierte etwa Marco Scherer, Fondsmanager bei Deutschlands größter Fondsgesellschaft DWS, das Podium. Neue Modelle hin oder her – beim Blick zurück und auf die Details der Geschäftsentwicklung zeige Daimler ein anderes Bild. „Der Stern glänzt. Ja, aber er muss heller glänzen“, stimmte Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz ein. Und Lars Labryga, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, formulierte ein verbreitetes Missempfinden der Daimler-Aktionäre, die eine unveränderte Dividende von 2,20 Euro pro Aktie erhalten: „Wir wollen das Premiumgefühl zurück – stattdessen bekommen wir Platz drei.“

BMW und Audi waren 2012 bei Absatz, Umsatz, Gewinn und Rendite besser als Mercedes. Ein sinkendes operatives Ergebnis trotz gestiegener Verkaufszahlen, eine magere Rendite, Stühlerücken im Vorstand und ein Eklat bei der Vertragsverlängerung von Zetsche, der nur für drei statt für fünf weitere Jahre das Vertrauen seines Aufsichtsrates genießt – es ist eine lange Mängelliste, die die Anteilseigner vortragen.

Und Dieter Zetsche verlängert sie noch, indem er Zweifel an den Gewinnzielen für das laufende Jahr äußert. Bisher hatte er für 2013 einen bei 8,1 Milliarden Euro stagnierenden operativen Gewinn in Aussicht gestellt. Auf den Lkw- und Pkw-Märkten in Europa gebe es allerdings „keine Anzeichen für eine Trendwende“, sagte der Vorstandschef. „Deshalb werden wir überprüfen, ob unsere bisherige marktbezogenen Annahmen für 2013 noch Gültigkeit haben.“ Eine Gewinnwarnung? Die Börse hatte wohl Ähnliches erwartet. Die Daimler-Aktie stieg am Mittwoch in einem freundlichen Markt bis Börsenschluss 4,4 Prozent.

„Wir wollen die Konkurrenz schlagen – dauerhaft“, bekräftigte Zetsche das Ziel, bis 2020 BMW und Audi überholt zu haben. Effizienter müsse der Konzern wachsen. Gleichzeitig werde so viel in neue Produkte investiert wie nie zuvor. 13 zusätzliche Modelle ohne Vorgänger kommen bis 2020 auf den Markt. Gut gestartet ist die neue A-Klasse. Rund 40 Prozent der Käufer in Deutschland hätten vorher ein anderes Fabrikat gefahren, sagte Zetsche. Einen ähnlichen Eroberungserfolg versprechen sich die Stuttgarter auch von der neuen E-Klasse, die am Wochenende in den Handel kommt – und natürlich von der S-Klasse, die sich am besten in China verkauft. Dort allerdings befindet sich noch die größte Baustelle. „Viel zu spät gestartet“ sei Daimler auf dem größten Automarkt der Welt, kritisierte Ulrich Hocker. Zetsche räumt ein: „Letztes Jahr sind wir nur noch minimal gewachsen und haben Marktanteile verloren.“ Mit Hubertus Troska wurde ein eigener Vorstand für das Chinageschäft installiert. Der Vertrieb vor Ort wird runderneuert.

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Auf heftige Kritik stieß die von Aufsichtratschef Manfred Bischoff vorgeschlagene Rochade im Top-Management. Dass der als Kostendrücker geltende Produktions- und Mercedes-Einkaufsvorstand Wolfgang Bernhard den Posten mit Lkw-Chef Andreas Rentschler tauschen musste, sei eine „fragwürdige Personalie“, sagte DWS-Mann Scherer. „Das kostet nur Zeit – und die hat Daimler nicht.“ Der Aufsichtsrat solle dafür sorgen, dass „Daimler endlich zur Ruhe kommt“, forderte Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment. Auf einen sorglosen Ruhestand kann sich Dieter Zetsche (59) freuen, für den 2012 Pensionsrückstellungen von 40 Millionen Euro gebildet wurden. Dies sei angesichts des Erreichten „völlig überzogen“ und ein „Relikt aus den alten Zeiten der Deutschland AG“, sagte Speich.

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