Hauptversammlung : Tag der Abrechnung bei der IKB

Die angeschlagene Mittelstandsbank hat am Donnerstag ihre erste Hauptversammlung seit Ausbruch der Finanzmarktkrise abgehalten. Der Aufsichtsrat wehrt sich gegen die Vorwürfe, bei der Kontrolle versagt und die Schieflage mit verschuldet zu haben.

Carsten Kloth
IKB
IKB in der Krise: Die Verluste der Deutschen Industriebank IKB sind höher als bisher angenommen. -Foto: ddp

BerlinHat der Ex-IKB-Vorstand seinen Aufsichtsrat getäuscht? Oder hat das Kontrollgremium versagt? Die Schuld für die Beinahepleite des Instituts trägt allein der ehemalige Vorstand - das jedenfalls sagt Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann auf der Hauptversammlung. Jede Kritik an den Kontrolleuren weist er zurück. "Wir sind unseren Pflichten nachgekommen". Hinweise, Signale oder Anzeichen für eine Krise habe es nicht gegeben.

"Das Risikomanagement der IKB hat nicht funktioniert", unterstreicht Hartmann auf einer zeitweise turbulenten Veranstaltung. Kurz vor dem Absturz hatte der damalige IKB-Vorstand noch behauptet, Probleme mit faulen US-Immobilienkrediten hätten praktisch keine Bedeutung.

"Hart am Wind gesegelt"

Über eine Sonderprüfung will die Bundesregierung nun die Verantwortung für die Hintergründe der seit Monaten andauernden Krise klären. Die staatseigene KfW-Bankengruppe, die mit 43 Prozent an der IKB beteiligt ist, will zudem die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat vertagen. Insgesamt wurden in den vergangenen Monaten mehr als acht Milliarden Euro zur Rettung der IKB bereitgestellt.

Für die Kapitalanleger ist die Sache klar: Sie machen den Aufsichtsrat für die bedrohliche Schieflage des Instituts verantwortlich. Dieser hätte die Fehlentwicklungen bei der Bank früher erkennen müssen. Schon vor vier Jahren sei bekannt gewesen, dass die IKB mit riskanten Wertpapiergeschäften "hart am Wind segelte", sagte Richard Schmitz von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Wie konnte man eine grundsolide Bank für den Mittelstand so verzocken?" fragte Schmitz. Andere Kleinanleger sprachen davon, dass eine stabile Aktie, ein Witwen- und Waisenpapier in Kürze zu einem "Zockerpapier" geworden sei.

IKB wird zum Fass ohne Boden

IKB-Vorstandschef Günther Bräunig führt die Krise der Bank unter anderem darauf zurück, dass die IKB bereits 2001 zur Verbesserung ihrer Ertrags-Risikostruktur Geschäfte tätigte, deren Risiken sie unterschätzte. Nach dem Ausbruch der Krise habe der neue Vorstand mit Risiken aus 15 Milliarden Euro Investments umgehen müssen, betont Bräunig. Dies sei eine große Sanierungsarbeit gewesen. Mit einer Kapitalerhöhung will der Vorstandschef jetzt die Substanz der Bank wieder stärken. "Das zentrale Ziel ist die Wiederherstellung der Kapitalmarktfähigkeit", sagte der IKB-Chef.

Derweil entwickelt sich IKB zum Fass ohne Boden: In der vergangenen Woche wurde der Verlust von weiteren 590 Millionen Euro bekannt gegeben. KfW und Finanzministerium streiten darüber, wer für die weiteren Verluste einspringt. Aus Sicht von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos ist die Bundesregierung bei der Sanierung der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB derzeit nicht in der Pflicht. Und auch die KfW sperrt sich Medienberichten zufolge gegen weitere Zahlungen. Dennoch: Es wird erneut der Steuerzahler sein, der für die Fehler der Banker aufkommen muss. Denn nach wie vor weigert sich die Politik aus Sorge um das gesamte Finanzsystem, Banken, die sich verzockt haben, vor die Wand fahren zu lassen.

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