Hauptversammlung : Vattenfall: Wir haben verstanden

Nach den Atompannen und der Tariferhöhung wirbt der neue Deutschlandchef von Vattenfall um Vertrauen. Bei der Hauptversammlung gab es viele kritische Stimmern. RWE erhöht vorerst nicht die Preise.

Vattenfall
Krisentreffen: Im Vorfeld der Hauptversammlung gab es wenig positive Berichte über Vattenfall. -Foto: ddp

Berlin - Der Vorstand des deutschen Energiekonzerns Vattenfall hat sich bei seinen Kunden und der Öffentlichkeit für die Pannen der vergangenen Monate entschuldigt. „Wir haben die Botschaft verstanden und die Lektion gelernt“, sagte Hans-Jürgen Cramer, Sprecher des Vorstands der Vattenfall Europe AG, am Montag auf der Hauptversammlung in Berlin. Zu den Pannen in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel sagte der Manager, das Unternehmen werde „alles tun, um das Vertrauen in unsere Seriosität als Betreiber wiederherzustellen“. Bei den Störfällen sei „zu keinem Zeitpunkt“ eine Situation entstanden, „die Anlass zur Sorge hätte sein müssen“, sagte Cramer. Allerdings habe das Unternehmen „das öffentliche Interesse an den Ereignissen unterschätzt“ und aus dieser Fehleinschätzung personelle Konsequenzen gezogen.

Der Vorstandschef von Vattenfall Europe, Klaus Rauscher, war im Zusammenhang mit der AKW-Krise zurückgetreten. Daraufhin war der bisher als Vertriebsvorstand tätige Cramer von der schwedischen Vattenfall AB, dem Mutterkonzern der Vattenfall Europe, zum Sprecher des Vorstands ernannt worden.

Künftig werde Vattenfall „die Sorgen und Ängste der Menschen ernst nehmen“ und „schneller und umfassender“ informieren, kündigte Cramer an. Als erste Maßnahme habe man die Landräte und Bürgermeister der umliegenden Städte und Kreise ins Kernkraftwerk Krümmel eingeladen und gewissermaßen vor Ort informiert.

Von den rund 200 Aktionären wurden auf der Hauptversammlung Zweifel „an der Sicherheitskultur in unserem Unternehmen“ geäußert. Ein Aktionär meinte zum jüngsten Lagebericht des Unternehmens, bei den Passagen über die Atomkraft „springen fast die Buchstaben aus dem Papier, weil sie sich schämen, gedruckt worden zu sein“. Im Bericht heißt es, die Abschaltung der Kernkraftwerke „funktionierte ordnungsgemäß und es bestand keine Gefahr für Mensch und Umwelt“. Brunsbüttel war wegen eines Kurzschlusses in einer Schaltanlage außerhalb des Kraftwerks und Krümmel wegen eines Transformatorbrandes außerhalb des Reaktorgebäudes abgeschaltet worden. Ein Aktionär, der sich als Greenpeace-Mitglied vorstellte, forderte die Vattenfall- Führung auf, sich aus der Kernenergie und der Kohle zurückzuziehen und die Investitionen in erneuerbare Energien zu forcieren. Vor der Tür demonstrierte rund ein Dutzend Vertreter der Umweltorganisationen Robin Wood und BUND für den Kernkraftausstieg und forderte zum Wechsel des Stromanbieters auf. Auf Fragen diverser Aktionäre, wie viele Kunden Vattenfall in den letzten Monaten verloren habe, antwortete Cramer nur mit Angaben zu Marktanteilen. Danach hat Vattenfall Europe in seinen Hauptmärkten Berlin und Hamburg seit dem 1. Juli rund vier Prozent der Kundschaft verloren. Nach eigenen Angaben hält Vattenfall noch einen Marktanteil von 80 Prozent in Berlin und 86 Prozent in Hamburg. In Berlin gibt es insgesamt 1,8 Millionen Stromkunden, in Hamburg knapp 900 000. Vor allem nach der Preiserhöhung zum 1. Juli waren massiv Kunden zu anderen Stromanbietern gewechselt.

Beim Essener RWE-Konzern, nach Eon und vor Vattenfall Nummer zwei auf dem deutschen Strommarkt, sind seit Anfang des Jahres knapp 100 000 Kunden zu anderen Anbietern gewechselt. Damit liege RWE besser als die Branche insgesamt, hieß es in Essen. Auch deshalb will der Konzern zunächst auf Preiserhöhungen verzichten, kündigte Vorstandschef Harry Roels am Donnerstag an. Der RWE-Betriebsgewinn stieg seit Jahresanfang um 18 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro, der Nettogewinn um 58,5 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Wegen des überraschend guten Halbjahrs erhöhte RWE die Prognose für den Gewinnanstieg im Gesamtjahr von bislang zehn auf nun bis zu 15 Prozent. Trotzdem schloss die Aktie mit einem Minus von 1,4 Prozent. RWE-Chef Roels bekräftigte die Investitionsplanung. Für rund zwei Milliarden Euro wird ein Steinkohlkraftwerk im Saarland gebaut, ein ähnliches Kraftwerk ist im westfälischen Hamm geplant. Die Entscheidung über den Bau eines Kraftwerks ohne Kohlendioxid fällt 2010.

Vattenfall-Vorstandssprecher Cramer nutzte die Hauptversammlung, um sich mit ein paar „persönlichen Sätzen“ bei den Stromverbrauchern zu entschuldigen. „Wir haben unsere Kunden nicht immer im ausreichenden Maße als Kunden gesehen“, räumte Cramer ein, der als Vertriebsvorstand verantwortlich ist für den Kundenservice. Die Maßgabe, der Kunde ist König, „muss wieder zu neuem Leben erweckt werden“. Mit rund 60 Stromanbietern sei Berlin der umkämpfteste Markt in Deutschland, doch Vattenfall sei nun dabei, „eine entsprechende Antwort auf den Wettbewerb zu geben und nachhaltig um Kunden zu werben“. Alles in allem, sagte Cramer, „bedaure ich, dass wir unsere Kunden im Zuge der Tariferhöhung nicht so informiert haben, wie unsere Kunden das erwarten“. Die Preiserhöhung sei wegen der hohen Strombezugskosten notwendig gewesen, weil „die Preise, die wir im Endkundenbereich erzielen, nicht kostendeckend sind“.

Die Hauptversammlung war vermutlich die letzte der Vattenfall Europe AG. Das Unternehmen gehört zu mehr als 95 Prozent der Vattenfall AB, die bereits vor einem Jahr ein Herausdrängen der letzten Kleinaktionäre (Squeeze-out) durchgesetzt hatte. Da dagegen noch einige Klagen laufen, musste diese Hauptversammlung noch einmal einberufen werden.

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