Wirtschaft : Hausdurchsuchung beim Berliner Apotheker-Verein

Berlin - Die Wettbewerbshüter klingelten am Mittwoch um zehn in der Charlottenburger Carmerstraße 3 und blieben gleich mehrere Stunden. „Sie haben alles mitgenommen, wo Celesio draufstand“, sagt Rainer Bienfait, der als Chef des Berliner Apotheker-Vereins auch Hausherr ist. Das Bundeskartellamt wirft den Berlinern und vier weiteren Landesverbänden vor, Apotheker zum Boykott des Pharmagroßhändlers Gehe aufgerufen zu haben. Der sitzt in Stuttgart und gehört zum Celesio-Konzern, der im April die Internet-Apotheke Doc Morris übernommen hatte. Und hier fängt das Problem an.

Doc Morris ist das Feindbild der deutschen Apotheker. Erst hatte die Internet-Apotheke von Holland aus deutschen Kunden billige Pillen verkauft, dann im vergangenen Jahr auch noch die erste stationäre Apotheke im Saarland erworben und in eine Doc-Morris-Apotheke umgewandelt. Ob das nach EU-Recht in Ordnung geht oder einen Verstoß gegen das deutsche Fremdbesitzverbot darstellt, das Kapitalgesellschaften verbietet, eine Apotheke zu führen, prüft gerade der Europäische Gerichtshof in Luxemburg.

Entsprechend groß war das Entsetzen, als ausgerechnet der Apotheken-Partner Celesio Doc Morris kaufte, um sich auf die erwartete Liberalisierung des Apothekenmarktes vorzubereiten, wie es hieß. Sollte das Gericht das Fremdbesitzverbot kippen, könnte Celesio selbst Apotheken in Deutschland eröffnen – und seinen eigenen Kunden damit Konkurrenz machen.

„Natürlich gab es großen Unmut unter den Kollegen“, sagt eine Berliner Apothekerin. Viele, die bisher mit der Celesio-Tochter Gehe zusammengearbeitet hätten, hätten aus Protest den Zulieferer gewechselt. Die Folgen hat Gehe nicht nur in Berlin zu spüren bekommen. „Ja, es hat Probleme gegeben, auch Umsatzrückgänge“, sagt Sprecher Michael Brinkert. Details will Gehe erst am 9. August bei Vorlage der Quartalszahlen nennen.

Der Berliner Apotheker-Verein weist den Boykottvorwurf übrigens „mit aller Entschiedenheit als völlig unbegründet zurück“. Wie lange die Wettbewerbshüter brauchen, um die Akten zu sichten, sei nicht abzusehen, sagt ein Sprecher. Sollte sich der Verdacht erhärten, droht ein Bußgeld von bis zu einer Million Euro. pet

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