Wirtschaft : Hausdurchsuchungen in der Daimler-Affäre

Fahnder nehmen sich bundesweit 13 Objekte vor

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Berlin In der Untreue-Affäre bei Daimler-Chrysler hat die Stuttgarter Staatsanwaltschaft am Dienstag und Mittwoch 13 Wohnungen und Gewerberäume durchsucht, darunter Objekte in München, Stuttgart und Berlin. Derzeit wird gegen elf Personen ermittelt, unter anderem die früheren Niederlassungsleiter von Mercedes-Benz in Hamburg und Leipzig sowie Mitarbeiter der Bauabteilung des Konzerns in Stuttgart. Mitarbeiter der Bauabteilung sollen dem früheren Mercedes-Vertriebsleiter von Deutschland bei einem Hausprojekt auf Mallorca unterstützt haben. Wann die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abgeschlossen sind und die interne Revision von Daimler-Chrysler ihren Bericht vorlegt, ist derzeit nicht absehbar. Es gingen noch immer Hinweise auf mögliche Verfehlungen ein, denen nachgegangen werden müsse, sagte eine Daimler-Chrysler-Sprecherin auf Anfrage. Im Kern der Affäre stehen so genannte Graumarktgeschäfte, die durchaus üblich und legal sind. Wenn beispielsweise eine Mercedes-Niederlassung 100 Fahrzeuge verkauft, bekommt der Käufer einen so genannten Flottenrabatt. Der Käufer muss ein von Daimler-Chrysler autorisierter Wiederverkäufer sein, der die Fahrzeuge nach festgelegten Bedingungen und vor allem zu einem bestimmten Listenpreis weiterverkauft. Wenn nun ein Mercedes-Verkäufer aber Autos an einen nicht-autorisierten Wiederverkäufer abgibt, verstößt er zwar gegen die Unternehmensrichtlinien, macht sich jedoch nicht strafbar.

Ein Straftatbestand ergibt sich erst dann, wenn der Mercedes-Verkäufer vom Käufer einen geldwerten Vorteil erhält. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass dies in der Daimler-Affäre passiert ist. Nach Angaben von Tomke Beddies, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, ist der Tatverdacht inzwischen so groß, dass ein Durchsuchungsbeschluss eingeholt wurde. An den Hausdurchsuchungen nahmen rund 50 Beamte teil, die „zahlreiche Unterlagen“ (Beddies) sicherstellten. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch Daimler-Chrysler betonten, es seien keine Räumlichkeiten des Konzerns von den Untersuchungen betroffen gewesen. alf

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