Wirtschaft : Hausgemachte Probleme

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Monatelang haben sich die Verantwortlichen in der Eurozone im Hinblick auf ihre ständig steigende Währung wie Machos aufgeführt, als bedeute die Stärke des Euro per se, dass ihre Volkswirtschaften besonders potent wären. Jetzt haben die Finanzminister aber ihre übliche Haltung, nämlich sich über den starken Euro zu freuen, aufgegeben. Stattdessen brachten sie ihre Besorgnis über die „exzessiven Wechselkursschwankungen“ zum Ausdruck und zeigen sich besorgt, dass der Anstieg des Euro ihre lahmende „exportorientierte“ Wirtschaftserholung zu drosseln droht.

Aber die Minister haben sich geirrt, wenn sie glauben, sich um das eigentliche Problem herumdrücken zu können. Die Erklärung, von der sie hofften, sie würde den Anstieg des Euro beenden, hatte nicht den gewünschten Effekt. Der Euro legte danach gegenüber dem Dollar um weitere zwei Cent zu. Die Devisenhändler bemerkten rasch, dass Europa nur Theater spielte und es keinen Plan B für den Fall gab, dass der Euro weiter zulegen würde. Der irische Finanzminister Charlie McCreevy, der das Treffen leitete, räumte ein, dass die Minister keine „spezielle Aktion“ besprochen hätten – wohl weil sie wissen, dass die USA keine Lust haben, die Märkte zu manipulieren. Und deshalb werden die Finanzminister und Präsidenten der Zentralbanken auf dem G7Treffen im nächsten Monat wohl kaum versuchen, den Dollar heraufzureden, geschweige denn sich auf eine Währungsintervention verständigen.

Europa behauptet immer, das gegenwärtige US-Leistungsbilanzdefizit sei die größte Gefahr für die Weltwirtschaft. Doch dieses Defizit kann nur verringert werden, wenn der Dollar fällt. Jetzt, wo das geschieht, haben die Europäer eigentlich keinen Anlass, sich zu beschweren. Statt sich also in fremde Devisenmärkte einzumischen, muss Europa seine hausgemachten Probleme angehen. Aufgabe der Finanzminister ist es nicht, das Wechselkursniveau zu diskutieren, das für Wirtschaftswachstum erwünscht wäre, sondern ein Umfeld zu schaffen, das Wachstum zulässt. Deregulierung, Renten- und Gesundheitsreform sowie Steuersenkungen sollten auf der Tagesordnung der Finanzminister stehen, nicht die Währung. Nur dann wird die Eurozone widerstandsfähiger gegen die Kapriolen ausländischer Devisenmärkte.

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