Wirtschaft : Hedge-Fonds setzen sich bei Daimler fest

Umstrittene Anleger halten rund 15 Prozent am Autokonzern/Spekulationen über Zerschlagung und Ende des Smart

Alfons Frese,Henrik Mortsiefer

Berlin - Finanzinvestoren setzen Daimler-Chrysler offenbar zunehmend unter Druck. Hedge-Fonds drängen den designierten Konzernchef Dieter Zetsche nach Angaben aus Fondskreisen insbesondere beim Kleinwagen Smart zu einer Lösung. „Sie werden bald darauf dringen, Smart zuzumachen“, zitiert die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) am Dienstag aus Finanzkreisen. Zetsche übernimmt Anfang September die Leitung der Mercedes Car Group, zu der auch Smart gehört, und rückt Anfang kommenden Jahres an die Spitze des Gesamtkonzerns.

Nach Schätzungen von Investmentbankern halten die umstrittenen Hedge-Fonds bereits rund 20 Prozent der Daimler-Aktien. Ein Unternehmenssprecher sagte dazu, „die 20 Prozent können wir nicht bestätigen.“ Vor einigen Monaten hatte der Konzern den Anteil von Hedge-Fonds noch mit zehn bis 15 Prozent beziffert. Seitdem hat allerdings die Deutsche Bank 3,5 Millionen Daimler-Aktien verkauft. Dabei seien rund zwei Drittel der Aktien an Hedge-Fonds gegangen, zitiert die „FAZ“ Investment-Kreise.

Hedge-Fonds sind umstritten, weil ihnen das Image der kurzfristigen Gewinnmaximierer anhängt: Sie steigen ein, machen Kasse, indem der Aktienkurs des Unternehmens hochgetrieben oder Firmenteile verkauft werden, und sie steigen schnell wieder aus. Angeblich spielen die Hedge-Fonds derzeit Zerschlagungsszenarien für Daimler-Chrysler durch. Hierzu zählen der Verkauf der EADS-Beteiligung, die Trennung von der Nutzfahrzeugsparte oder sogar eine Abspaltung von Chrysler. Marc-Rene Tonn vom Bankhaus M.M. Warburg hält das für unwahrscheinlich, „weil auch politische Aspekte eine Rolle spielen“. Tonn zufolge ist zwar der Smart „ein großes Thema“, und vermutlich habe der Konzern versucht, die Kleinwagenmarke zu verkaufen. Doch Zetsche werde wohl abwarten, ob die Sanierungsstrategie greife und Smart tatsächlich wie geplant 2007 in die schwarzen Zahlen komme. Ein Aufgeben des Smart ist im Konzern nach Informationen des Tagesspiegels erwogen, aber als zu teuer verworfen worden.

Nach Einschätzung Tonns engagieren sich Hedge-Fonds stärker bei Daimler-Chrysler als in der Vergangenheit. Eigentlich muss mitgeteilt werden, wenn ein Aktionär mehr als fünf Prozent hält. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass sich „viele kleine Pakete zu einem großen summieren, ohne dass dies bekannt wird“, sagte ein Frankfurter Investmentbanker. Viele Finanzinvestoren hätten nach dem Rücktritt von Jürgen Schrempp am 28. Juli Daimler-Aktien gekauft. Für plausibel hält der Banker auch, dass die Hedge-Fonds jetzt auf den Vorstand Druck ausüben: „Es ist klar, dass sie nicht nur auf eine Dividende hoffen – die haben anderes vor.“

Analysten der Hypo-Vereinsbank erklärten sich das Interesse der Hedge- Fonds mit der Hoffnung auf weiter steigende Kurse und weniger mit möglichen Zerschlagungsplänen. Sollte Daimler-Chrysler den Bau des Smart einstellen oder seine Beteiligung an EADS und seinen Bereich Nutzfahrzeuge abstoßen, würde dies aber laut der Experten sogar zu einer Steigerung des Unternehmenswerts führen und eine Übernahme von Daimler-Chrysler dadurch weiter verteuern. Am Dienstag war der Konzern an der Börse rund 43 Milliarden Euro wert. Die Aktie notierte mit 42,69 Euro 1,3 Prozent unter dem Vortagskurs. Seit der Rücktrittsankündigung von Schrempp hat die Aktie rund zehn Euro zugelegt.

Eine rasche Zerschlagung des Konzerns halten Daimler-Anteilseigner wie die Fondsgesellschaft Union Investment für „wenig wahrscheinlich“, weil die einzelnen Sparten auch produktionstechnisch noch zu sehr verflochten seien. Aber: „Wir haben die starke Vermutung, dass die Summe einzelner Konzernteile mehr wert wäre als der jetzige Konzern“, sagte Union-Sprecher Rolf Drees.

Eher wohlwollend betrachten Kleinaktionäre den Einfluss von Finanzinvestoren. „Wenn man sich den Kursverlauf der Aktie ansieht, ist das nicht schlecht“, sagte Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Allerdings operierten die Hedge- Fonds viel zu intransparent. Kurz hält es für realistisch, dass die Fonds auf eine Einstellung des Smart dringen. Für größere Änderungen in der Strategie des Konzerns brauchten sie aber die Zustimmung der anderen großen Anteilseigner.

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