Wirtschaft : Hedge-Fonds spekulieren gegen den Dax

Im Februar sank das Börsenbarometer um neun Prozent – Banken und Versicherer unter Druck

Veronika Csizi

Berlin. Die Börsen bleiben im Würgegriff der Baisse-Spekulanten. Mehr als neun Prozent hat der Dax im Februar verloren. Seit dem Hoch im Januar bei 3157 Punkten summieren sich die Verluste damit auf etwa 22 Prozent. In diesem von echten und vorgeschobenen Kriegsängsten belasteten Markt tummeln sich vor allem professionelle Investoren. 70 bis 80 Prozent der gesamten Umsätze kämen derzeit von so genannten Hedge-Fonds (siehe Lexikon), heißt es aus Händlerkreisen.

Lieblingsobjekt der hoch riskanten Spekulation waren auch im Februar die Papiere von Münchener Rück und Allianz, die mit den immer wieder neu verbreiteten Gerüchten über eine bevorstehende Kapitalerhöhung weiter gedrückt wurden. Ähnlich erging es offenbar auch der Aktie des Reisekonzerns Tui, die 24 Prozent, seit Jahresbeginn sogar fast 50 Prozent ihres Börsenwerts verloren hat. Als Begründung mussten Ängste vor einer sinkenden Reiselust wegen eines Irakkriegs herhalten. Die Lufthansa hatte darunter ebenfalls zu leiden und schnitt im Februar mit gut zehn Prozent Minus noch schlechter als der Dax ab.

Vermutungen und Gerüchte stürzten die Bayer-Aktie ins Bodenlose. Angeblich soll der Pharmakonzern seit 1997 über gefährliche Nebenwirkungen seines Medikaments Lipobay Bescheid gewusst haben. Sollte Bayer Nachlässigkeit nachgewiesen werden, drohen milliardenschwere Schadenersatz-Zahlungen. Der dritte Absturzkandidat hat immerhin selbst gute Gründe geliefert. Die Hypo-Vereinsbank ist 2002 mit mehr als 800 Millionen Euro in die roten Zahlen gerutscht, die Risikovorsorge hat mit 3,8 Milliarden Euro ein Rekordniveau erreicht. Das sind die Zutaten für die Gerüchteküche: Angeblich plant die Bank eine Pflichtwandelanleihe, bei der die Gläubiger nach Ablauf der Laufzeit automatisch Hypo-Aktien statt einer Geldrückzahlung erhalten. Mit einem fast 30-prozentigen Minus trägt das Papier auch im Februar die rote Laterne.

Nicht Gerüchte, sondern Fakten über eine Pflichtwandelanleihe machten der Telekom das Leben im Februar schwer. Gegen den steigenden Trend anderer Telekom-Aktien ging das Papier in den letzten vier Handelswochen um rund zehn Prozent in die Knie, angeheizt zudem durch Mutmaßungen über einen Anlegerbetrug beim Börsengang der dritten Tranche T-Aktien. Die Telekom habe mit Billigung des Hauptaktionärs Bund Aktien zu stark überhöhten Preisen ausgegeben und womöglich bekannte milliardenschwere Finanzrisiken verschwiegen.

Schering und Daimler-Chrysler untermauern, dass die Kursverläufe derzeit vielfach Zufällen und Daytradern ausgeliefert sind. Die sehr guten Zahlen und den positiven Ausblick aus dem Hause Schering quittierten die Anleger mit Verkäufen, die das Papier auf Monatsbasis um 7,7 Prozent schwächten. Daimler-Chrysler hingegen kann den Dax mit einem kleinen Monatsplus übertrumpfen und profitiert damit von einer Vervierfachung des operativen Gewinns und einer 50-prozentigen Dividendenerhöhung. Allerdings notiert die Aktie des Autokonzerns, der gerade einen Sechs-Milliarden-Gewinn abgeliefert hat, mit knapp 28 Euro um fast 50 Prozent unter dem Kurs, den das Unternehmen zu Zeiten eines milliardenschweren Verlustes hatte.

Eine Übersicht aller 30 Dax-Werte auf der Seite 19

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