Wirtschaft : Heftige Kritik an Münchener Rück Aktionäre beklagen Managementfehler

Nicole Adolph

München - Die Münchener Rück ist zum Jahresbeginn wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Auf der Hauptversammlung in München musste sich der weltweit größte Rückversicherer am Mittwoch dennoch viel Kritik von Fondsvertretern und Aktionärsschützern gefallen lassen. „Wir haben einen Schlussstrich unter eine Reihe schwieriger Jahre gezogen und sind gut ins neue Jahr gestartet“, sagte der seit Jahresbeginn amtierende Vorstandschef Nikolaus von Bomhard.

Während der Konzern das erste Quartal 2003 mit einem Verlust von 557 Millionen Euro abschloss, stand im ersten Quartal 2004 unter dem Strich ein Gewinn von 534 Millionen Euro. Das führte Bomhard darauf zurück, dass das Rückversicherungsgeschäft „weiterhin erfreulich“ verlaufe, die Erstversicherung in die Gewinnzone zurückgekehrt sei und das Ergebnis aus Kapitalanlagen sich normalisiert habe. Der Konzern sei auf gutem Weg, im laufenden Geschäftsjahr das „sehr anspruchsvolle Ergebnisziel“ von zwei Milliarden Euro nach Steuern zu erreichen.

Dennoch hagelte es Kritik. Die Fondsgesellschaften DWS, SEB Invest und Deka Investment machten neben hoher Steuerlasten „gravierende Managementfehler“ für das schlechte Abschneiden des Konzerns in 2003 verantwortlich. Die Münchener Rück war mit 434 Millionen Euro ins Minus gerutscht – der erste Konzernverlust in der Nachkriegsgeschichte.

„Die Münchner Rück hat große Versprechungen gemacht und wenig geliefert“, kritisierte Nikolaus Pohlmann von DWS. Jens Meyer von Deka Investment sagte, die Lage sei „weitaus dramatischer als die der Konkurrenten“. Die Fondsvertreter warfen dem Management unter dem ehemaligen Vorstandschef Hans-Jürgen Schinzler vor, beim Erstversicherer Ergo nicht rechtzeitig durchgegriffen und sich beim Kauf der American Re verspekuliert zu haben. Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz kritisierte die Ernennung Schinzlers zum Aufsichtsratschef. Dem Automatismus, Ex-Vorstandschefs dieses Amt zu übertragen, müsse „ein Riegel vorgeschoben werden“.

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