Wirtschaft : Heftiger Kampf um die "Pannen-Engel"

Der Streit zwischen ADAC und Versicherern über Auto-Schutzbriefe verschärft sich weiter MÜNCHEN (wis/HB).Der ADAC, mit 60 Prozent Anteil Marktführer für Schutzbriefe in Deutschland, sieht vorerst keinen Anlaß für eine Preisreaktion auf die günstigen Konkurrenzangebote der Versicherer.Wohl aber steht die Versicherungsvermittlung auf dem Prüfstand."Für 13 DM kann man keine Assistance-Leistungen erbringen", meint der Präsident des ADAC, Otto Flimm, und klassifiziert damit den von der Allianz angekündigten Schutzbrief als "Lockvogel-Angebot".Während der ADAC für seinen personenbezogenen, also vom Auto unabhängigen, und weltweit geltenden Schutzbrief (einschließlich ADAC-Mitgliedschaft) 139 DM verlangt, bekommt der Autofahrer bei der Allianz künftig für 13 DM und bei der HUK Coburg für 18 DM immerhin europaweite, Kfz-bezogene Hilfe.Auf einen detaillierten Leistungsvergleich wollen sich die ADAC-Manager derzeit zwar nicht einlassen, doch zeigen sie sich überzeugt, daß kein Versicherer die gleiche Qualität und Zuverlässigkeit bei der Pannenhilfe, Ersatzteilversorgung oder dem Krankenrücktransport wie der Automobilclub leisten könne.Außerdem erbringe der Club sehr viele Leistungen neben dem Schutzbrief, so für die Sicherheit, Verkehrserziehung und Technik durch die Pannenstatistik.Für Otto Flimm ist der Angriff des Versicherungs-Marktführers Allianz vor allem der Versuch, mit "quersubventionierten Schutzbriefpreisen" den abbröckelnden Marktanteil in der Kraftfahrtversicherung zu stabilisieren.Man werde die Entwicklung sehr genau beobachten, hieß es.Der ADAC kündigt zwar keine rechtlichen Schritte an, will aber die Entwicklung genau im Auge behalten.Sollte die Schutzbriefleistung der Allianz, der HUK Coburg und anderer, die noch nachfolgen, direkt an die Kfz-Pflichtversicherungen gekoppelt werden, werde man dies zumindest auf Zulässigkeit überprüfen.Die Frage sei, so Dieter Flerus, Vorstand der ADAC-Schutzbrief-Versicherung, ob der Haftpflicht-Kunde den Schutzbrief zusätzlich buchen könne oder umgekehrt für dessen Abwahl auf dem Versicherungsvertrag "ein Kreuzchen machen" müsse.Das letztere wäre rechtlich sehr bedenklich.Nach Ansicht von Flimm soll der Kunde bei dem "Dumping"-Angebot für Schutzbriefversicherungen der Assekuranz "über den Tisch gezogen werden".Derjenige, der die Schutzbriefleistung abwähle und damit lediglich 13 DM im Jahr spare, müsse automatisch die anderen Kunden subventionieren.Den Versicherern komme es aber auch darauf an, über die Assistance-Dienstleistung "näher am Unfallgeschehen zu sein".Das dadurch mögliche "Schadensmanagement" könne den Gesellschaften helfen, mehr Geld zu sparen, als durch die Assistance-Dienste an ungedeckten Kosten entstünden.Der ADAC sieht gegenwärtig noch keinen Grund, mit seinen eigenen Tarifen zu reagieren."Noch reden wir nicht über Gegenmaßnahmen", meint Flimm, er setze auf die Qualität der Dienste und hoffe auf die "Treue unserer Mitglieder".Sollte es aber tatsächlich einen unerwarteten Mitgliederschwund geben, müsse man sich etwas überlegen.Eine Reaktion wird es allerdings geben: die Tätigkeit als "Mehrfachagent" für vier Versicherungsunternehmen, die vor einigen Jahren als günstig und zuverlässig ausgesucht wurden und für die der ADAC in seinen Geschäftsstellen auch Repräsentanzen eingerichtet hat, stehe jetzt "auf dem Prüfstand", bestätigt Flimm.Zunächst wird man sich überlegen, ob man die HUK-Coburg-Policen weiter vermittelt.Es gehe wohl kaum an, daß man zum eigenen Angebot konkurrierende Produkte vermittle, sagte Jörg Adomeit, Sprecher der ADAC-Geschäftsführung.Außerdem wird im ADAC derzeit darüber debattiert, ob die clubeigenen Pannenhelfer weiterhin auf der Autobahn auch Nicht-Clubmitgliedern helfen sollen."Vielleicht müssen wir künftig unsere Pannenhelfer ausschließlich für unsere Mitglieder reserviern, die auch dafür bezahlen", meint Flimm.

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