Wirtschaft : Heftiger Krach im Airbus-Konsortium

MÜNCHEN (wis/HB/rtr).Zwischen den Partnern des europäischen Airbus-Konsortiums herrscht wieder einmal Streit.Der Umbau der bisher als Interessengemeinschaft organisierten Airbus Industrie zu einem klar strukturierten einheitlichen Flugzeugbau-Unternehmen muß nun auf das Jahr 2000 verschoben werden.In der Aufsichtsratssitzung, wo eigentlich der seit einem Jahr überfällige Austausch der Dossiers über die Bewertung der vier Airbus-Partner beschlossen werden sollte, kam es statt dessen wegen einer möglichen bilateralen Fusion von Dasa und British Aerospace (BAe) zum Krach über die Gewichtung der Partner.

Nach Angaben von Dasa-Chef Manfred Bischoff forderte die französische Aerospatiale nicht nur ein 50prozentiges Stimmrecht bei wichtigen Entscheidungen, sondern überraschend auch eine "Call Option" auf eine Erhöhung des Kapitalanteils an der künftigen Gesellschaft auf 50 Prozent.Damit wäre Aerospatiale größter Aktionär der geplanten Airbus SCE (Single Corporate Entity).Bisher halten die Franzosen, wie auch die Dasa, nur 37,9 Prozent am Konsortium.BAe hält 20 Prozent und die spanische Casa rund vier Prozent.

Der Streit unter den Partnern setzte sich am Wochenende fort: Aerospatiale dementierte Berichte über die Forderung nach einem 50 prozentigen Kapitalanteil.Man habe aber die Dasa- und BAe-Repräsentanten aufgefordert, Klarheit über die Fusionsgerüchte zu schaffen, was von diesen abgelehnt worden sei.Der Dasa-Sprecher erklärte zu den Widersprüchen lapidar, "dann steht nun Aussage gegen Aussage".

Hintergrund des Konflikts sind die parallel zu den Airbus-Verhandlungen (bei denen es ausschließlich um zivilen Flugzeugbau geht) laufenden Bemühungen der europäischen Aerospace-Firmen zu einem weitergehenden Zusammenschluß in der Wehrtechnik und Raumfahrt zur sogenannten EADC (European Aerospace and Defence Company).Hierbei konnten sich Dasa und British Aerospace bislang mit Aerospatiale nicht auf eine zeitliche Begrenzung des restlichen französischen Staatsanteils beim künftigen Eurokonzern einigen.Laut Bischoff ist ein staatlicher Aktionär bei der EADC auf Dauer "nicht akzeptabel".

Auch in Führungs- und Strukturfragen ist man weit auseinander.Deshalb verhandeln die beiden privatwirtschaftlichen deutschen und britischen Partner über eine bilaterale Fusion als ersten Schritt.Dies schürte in Frankreich, selbst stets auf Dominanz bedacht, wiederum Ängste vor einem deutsch-britischen Übergewicht.

Das jüngste Verhalten der Franzosen dürfte den Zusammenschluß Dasa-BAe beschleunigen.Eine Fusion noch vor Jahresfrist ist nicht mehr auszuschließen.Bei DaimlerChrysler und Dasa werden solche Vermutungen zwar weiterhin als "Spekulation" bezeichnet.Bischoff hatte aber erst am Donnerstag gesagt, daß ein zweiseitiger Zusammenschluß schon bald möglich sei und Probleme der unterschiedlichen Größe und Aktionärsstruktur lösbar seien.Am Freitag erklärte Frankreichs Regierungschef Lionel Jospin beim französisch-britischen Gipfel, daß Frankreich nichts gegen eine vorgezogene Fusion von Dasa und BAe habe.Frankreich fordere aber ein "Gleichgewicht".

Nach Einschätzung aus Branchenkreisen würde durch die Fusion von Dasa und BAe eine Luft- und Raumfahrtgruppe mit einem Marktwert von 14 Mrd.Pfund (39 Mrd.DM) entstehen.In der Gruppe würden nach dem Bericht der "Sunday Times" die BAe-Eigner einen Anteil von 65 Prozent besitzen.Den Rest werde die Dasa-Muttergesellschaft DaimlerChrysler halten.BAe-Chairman Evans solle das neue Unternehmen führen.Dasa-Chef Bischoff werde sein Stellvertreter sein.

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