Wirtschaft : Heftiger Streit um die Formel "Made in USA"

US-Bürger laufen Sturm gegen eine Verwässerung

WASHINGTON (zz/HB).Verbraucher in aller Welt sollen wissen, was sie mit einem Produkt "Made in USA" in der Hand haben: ein Erzeugnis, das "vollständig oder praktisch vollständig aus amerikanischen Teilen oder auf amerikanischem Boden hergestellt wurde".So steht es in den zur Zeit noch gültigen Richtlinien der amerikanischen Aufsichtsbehörde FTC.Sie sollen auch künftig gelten.Die Federal Trade Commission hatte nämlich Ketzerisches im Sinn: Sie wollte die strengen Herkunftsregeln des "Made in USA" aufweichen. Im Mai hatte sie eine neue Richtlinie für die Bezeichnung vorgelegt, nach der das begehrte "Made in USA" auch solchen Produkten verliehen werden sollte, die "zum überwiegenden Teil aus US-Teilen bestehen oder von amerikanischen Firmen hergestellt sind".Das hätte in der Praxis dazu geführt, daß noch Produkte mit nur 75 Prozent amerikanischem Anteil als "Made in USA" bezeichnet worden wären. Auslöser der etwas absurd erscheinenden Diskussion waren die Sportartikelhersteller New Balance Athletic Shoes Inc.und Hyde Athletic Industries Inc.aus dem US-Bundesstaat Massachusetts.Die FTC schritt im Jahr 1994 gegen beide Unternehmen ein, nachdem sie ihre Turnschuhe mit chinesischen Materialien als "Made in USA" bezeichnet hatten. Das Verfahren wurde zwar ohne Schuldeingeständnis abgeschlossen, die Unternehmen konnten die FTC aber überzeugen, daß die alte Definition der Herkunftsbezeichnung in einer arbeitsteiligen Welt nicht mehr ganz aktuell war.Worauf die FTC sich die Lockerung der Vorschrift einfallen ließ. Dagegen regte sich vor allem im Kongreß Widerstand.Undenkbar erschien vielen Abgeordneten, daß windige Geschäftemacher irgendwo im Ausland ein Produkt aus amerikanischen Teilen zusammenbauen und es dann unter der Aufforderung "Buy American" den nichts ahnenden US-Konsumenten unterjubeln. Die FTC bekam den Zorn der Politiker und der Gewerkschaften zu spüren.Denn die Lockerung der Herkunftsbezeichnung könnte amerikanische Unternehmen geradezu animieren, Produktionen und damit Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern.Jenseits amerikanischer Grenzen hergestellte Produkte hätten, selbst wenn sie von unerfahrenen Arbeitskräften in Billiglohnländern zusammengenietet worden wären - mit Mexiko ist ja ein solches Land gerade um die Ecke -, das Etikett "Made in USA" tragen dürfen, wenn nur 75 Prozent der Teile aus den Vereinigten Staaten gekommen wären. Die Kongreßabgeordneten Bob Franks und John Dingell, je einer aus den beiden großen Parteien, brachten einen Gesetzentwurf ein, der die FTC zur Räson rufen sollte.60 Gewerkschafts- und Verbrauchergruppen, weiß die Zeitung "The Washington Post", bildeten die "Coalition Made in U.S.A." und unterstützten den Gesetzentwurf.Hunderte von Briefen empörter amerikanischer Staatsbürger schlugen bei der FTC ein. Die Attacke auf die Wettbewerbsbehörde zeigt erste Erfolge.Die Abteilung für Verbraucherschutz will der Kommission empfehlen, zu der alten Definition des "Made in USA" zurückzukehren.Die FTC werde es nicht wagen, diesem Rat zu widersprechen, vermutet die "Washington Post". Darüber hinaus soll die Formulierung "vollständig oder praktisch vollständig aus amerikanischen Teilen", die gummiartig dehnbar ist und deshalb schon lange unter Kritik stand, präzisiert werden.Die FTC soll nur dann nicht gegen die Verwendung der Herkunftsbezeichnung "Made in USA" einschreiten, wenn mindestens 89 Prozent der Teile oder der zur Herstellung verwandten Arbeitszeit amerikanischer Natur sind. Die alte Definition des "Made in USA" war vor 50 Jahren erlassen worden.Damals gab es noch keinen Welthandel wie heute, die Grenzen waren weitgehend geschlossen, und in Amerika hergestellte Waren waren wirklich noch "Made in USA". Die FTC wird innerhalb der nächsten vierzehn Tage festlegen, daß sie wieder zu der nostalgischen Herkunftsbezeichnung zurückkehrt.

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