Wirtschaft : Hegen und pflegen

-

Heben, stützen, schleppen, füttern, und das alles für wenig Geld – die Arbeit in den meisten Pflegeberufen ist nichts für zart besaitete Menschen. Doch immerhin: Wer hilflosen Menschen hilft, für den ist Arbeitslosigkeit in der Regel kein Thema. Denn Krankenhäuser, ambulante Pflegedienste und vor allem Altenheime finden seit Jahren nicht genügend Personal, regelmäßig gibt es mehr offene Stellen als Arbeitslose im Land – Experten schätzen die Zahl der derzeit fehlenden Kräfte auf mehr als 20000.

Diese Situation wird sich noch verschärfen, erwartet Stefanie Wahl vom Institut für Wirtschaft und Gesellschaft in Bonn. „Der Anteil alter Menschen wird immer weiter zunehmen, deshalb sind auch mehr qualifizierte Kräfte nötig.“ Dabei wird es ihrer Ansicht nach nicht allein um Schwerstarbeit gehen. „In den kommenden Jahren wird eine Fülle neuer Dienstleistungen rund um die Betreuung und die Pflege entstehen, von einfachen Hol und Bringdiensten bis hin zu komplexen Wellness-Angeboten für eine zahlungskräftige Kundschaft“, prognostiziert sie. Schon in den vergangenen zehn Jahren sind die Berufsbilder rund um die Pflege vielfältiger geworden – es gibt Pflegeberater, -pädagogen oder -manager.

Doch nicht nur die Senioren wollen versorgt sein, auch der Nachwuchs. Seit die vergleichsweise schlechte Kinderbetreuung in Deutschland in den Fokus der Politik gerückt ist, machen Experten auch hier Zukunftschancen aus. „Im Zuge des nahenden Fachkräftemangels werden immer mehr Frauen erwerbstätig – dann muss es jemanden geben, der ihre Kinder tagsüber betreut und erzieht“, sagt Günter Walden, Abteilungsleiter beim Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn. Als erstes dürfte das Problem in den alten Bundesländern akut werden, glaubt er. „Dort werden die Arbeitsmärkte zuerst leer gefegt sein.“ brö

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben