Wirtschaft : Heidel-Cement: Arbeitnehmer atmen auf

IG Bau begrüßt Übernahme durch schwäbischen Milliardär / Einstieg von Hedge-Fonds abgewehrt

Anselm Waldermann

Berlin - Die geplante Übernahme des Baustoffkonzerns Heidelberg-Cement durch den schwäbischen Milliardär Adolf Merckle stößt bei Arbeitnehmervertretern auf Zustimmung. „Die Beschäftigten sehen das Merckle-Angebot sehr positiv“, sagte der Sprecher der IG Bau, Michael Knoche, dem Tagesspiegel. Angesichts der Debatte um feindliche Übernahmen durch ausländische Hedge-Fonds sei eine deutsche Lösung, bei der „die Kirche im Dorf bleibt“, zu begrüßen. Merckle sei in Arbeitnehmerkreisen für seine „Solidität“ bekannt, zudem habe er erklärt, am operativen Geschäft von Heidel-Cement nichts ändern zu wollen.

Merckle hatte am Wochenende mitteilen lassen, dass er über seine Vermögensverwaltungsgesellschaft Spohn die Mehrheit an Heidel-Cement anstrebt. Spohn bietet 60 Euro je Heidel-Cement-Aktie – rund 20 Prozent mehr als der Kurs vom Freitag. An der Börse sprang der Kurs am Montag um 19 Prozent nach oben. Das Übernahmeangebot bewertet das Unternehmen mit etwa 6,5 Milliarden Euro.

Bisher hält Merckle an dem größten deutschen Baustoff-Konzern 12,8 Prozent. Spohn-Geschäftsführer Werner Harder erklärte, nun sei es das erste Ziel, 30 Prozent der Aktien zu bekommen, das zweite Ziel seien „vielleicht über 50 Prozent“. Der Konzern galt wegen der zersplitterten Aktionärsstruktur als mögliches Ziel für internationale Finanzinvestoren.

In den vergangenen Monaten hatte Heidel-Cement eine Konzentration auf die boomenden Märkte Asiens und Osteuropas angekündigt. Denn im Wettrennen um die Auslandsmärkte drohte der Konzern den Anschluss zu verlieren: So bauen die großen Baustoffkonzerne – die französische Lafarge, die Schweizer Holcim und die mexikanische Cemex – ihre Marktanteile durch eine aggressive Übernahmestrategie immer weiter aus.

Nach Einschätzung der IG Bau könnte Heidel-Cement nun von den Merckle-Plänen profitieren. Das Unternehmen werde stabilisiert und klare Eigentümerstrukturen geschaffen, sagte Gewerkschafter Knoche. Mit einem Ausverkauf von Unternehmensteilen oder dem Verlust von Arbeitsplätzen sei nicht zu rechnen. Auch Ralf Dörper, Analyst bei der WestLB bestätigte: Merckle sei keiner, der Firmen zerschlägt. Heidel-Cement hat in Deutschland 4400 Mitarbeiter, weltweit sind es 42000.

Merckle selbst, der durch sein Engagement beim Pharmahersteller Ratiopharm bekannt ist, lehnte eine Stellungnahme ab. Auch bei Heidel-Cement wollte sich am Montag niemand äußern. Spohn-Geschäftsführer Harder kündigte allerdings an, dass Heidel-Cement nach einer Übernahme weiter an der Börse bleibe. Das Unternehmen ist im M-Dax notiert. Nun muss die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) das Übernahmeangebot noch freigeben. Um die dafür nötigen Unterlagen einzureichen, hat Spohn vier Wochen Zeit. mit HB

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