Wirtschaft : Heidelberger Druck legt Pause ein

HEIDELBERG . Der Druckmaschinenhersteller Heidelberg legt nach stürmischer Expansion eine Wachstumspause ein. Vor der weltgrößten Druckmaschinenmesse Drupa im nächsten Mai in Düsseldorf reagiere die Kundschaft immer mit Kaufzurückhaltung, sagte der Vorstandsvorsitzende der Heidelberger Druckmaschinen AG am Donnerstag. Auftragseingang und Umsatz würden deshalb die Werte von 1998/99 (bis Ende März) nur leicht überschreiten. Im abgelaufenen Jahr war der Konzernumsatz um 12,4 Prozent auf 3,95 Mrd. Euro (7,7 Mrd. DM) gestiegen. Auch der Gewinn vor Steuern soll lediglich an den zuletzt erreichten Wert von 481 Mill. Euro anschließen.

Mit dem erhofften Auftragsschub der Drupa im Rücken und dem Einstieg in zwei neue Geschäftsfelder will der Weltmarktführer 2000 sein gewohntes zweistelliges Expansionstempo wieder aufnehmen. Allein in den vergangenen vier Jahren hat sich der Konzernumsatz verdoppelt, wobei die Hälfte des Zuwachses aus Firmenübernahmen wie Linotype-Hell resultierte. Dabei nahm die Belegschaft weltweit von knapp 12 000 auf aktuell 23 500 Personen zu. In der neuen Sparte Digital-Druck wollen die Heidelberger binnen fünf Jahren einen Umsatz von einer Mrd. Euro erzielen. Auf diesem Gebiet herrscht bislang der US-Riese Xerox mit einem Marktanteil von 90 Prozent. Mit den in Kiel produzierten digitalen Druckmaschinen sollen die Heidelberg-Kunden auch bei Kleinstauflagen künftig gegen Copyshops konkurrieren können. Die 2001 marktreifen Farbdrucker erreichten bereits heute fast Offset-Qualität.

Die zweite zukunftsträchtige Sparte, in der die Heidelberger ein Wort mitreden wollen, ist der Zeitungsdruck. Vom geschätzten Gesamtmarkt mit 1,83 Mrd. Euro jährlich will sich Heidelberg binnen eines Jahrzehnts 20 Prozent abschneiden. Spektakuläre Firmenkäufe - wie zuletzt der Erwerb der Digital-Technik vom US-Konzern Kodak - sind derzeit nicht spruchreif. "Weiße Flecken wie in der Software oder beim Verpackungsdruck müssen aber noch abgedeckt werden", sagte Mehdorn. Bei einem Exportanteil von 82 Prozent entfallen auf die USA, Kanada und Mexiko 31 Prozent des Umsatzes. Mehdorn bekräftigte, daß die Konzernmutter RWE mit einem Anteil von 56 Prozent in absehbarer Zeit keine Heidelberg-Aktien verkaufen werde.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben