Wirtschaft : Heidelberger Zement: Börse nicht überzeugt

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Nach dem Kraftakt im Vorjahr will die Heidelberger Zement AG ihre Expansion im Zuge einer "kontrollierten Offensive" weiter vorantreiben. "Wir haben den Vorwärtsgang eingelegt", sagte Vorstandsvorsitzender Rolf Hülstrunk am Montag. Er will die Position des weltweit drittgrößten Baustoffkonzerns vor allem durch Zukäufe in Asien, Afrika und Osteuropa verstärken. Nach der ausgedehnten Einkaufstour des Vorjahres werde das Unternehmen das Tempo 2000 und 2001 jedoch drosseln und "mit Augenmaß" vorgehen, betonte Hülstrunk. Während die schwache Bauwirtschaft in Deutschland auch bei den Heidelbergern ihre Spuren in der Bilanz hinterließ, kamen positive Impulse aus den USA.

Expansion in Entwicklungsländer

In Europa und Nordamerika sei weiter mit einem langfristigen Aufwärtstrend zu rechnen, sagte Hülstrunk. Auf Grund des hohen Sättigungsgrades und der harten Konkurrenz in angestammten Märkten will Heidelberger Zement aber vor allem in Asien, Afrika und Osteuropa Stützpunkte ausbauen und neue gründen. Der Anteil der Entwicklungsländer am Geschäft solle in fünf Jahren von knapp 15 Prozent auf 30 Prozent verdoppelt werden.

Im Zuge der Expansion hat Heidelberger Zement jetzt eine 75prozentige Beteiligung an der Ciments du Gabon erworben. Geplant ist ferner der Kauf von zwei Zementwerken (mit zusammen 800 000 Jahrestonnen Kapazität) in Nigeria. Das Engagement beim großen indonesischen Zementproduzenten Indozement hofft Hülstrunk bis Ende des Jahres unter Dach und Fach zu bringen.

Mit zwei indonesischen Partnern hat das Unternehmen vor kurzem die Gründung eines Joint Ventures vereinbart, das eine Kapitalmehrheit bei Indozement übernehmen soll. Hülstrunk sieht ferner Chancen, die bisherige Beteiligung von 30 Prozent bei der China Century Cement im Zuge eines Produktionsausbaus deutlich aufzustocken. Die Trennung von Randaktivitäten wurde unterdessen mit dem Verkauf der Ziegelsparte der Tochter Optiroc fortgesetzt. Sie ging für rund 60 Millionen Euro an die österreichische Wienerberger Gruppe.

Nach wie vor fällt es dem Heidelberger Baustoffkonzern indessen schwer, die Börse von seiner Expansionsstrategie zu überzeugen. Die Stammaktien gaben am Montag nachmittag um gut ein Prozent auf 60,50 Euro nach und notieren damit weiter um ein Drittel unter den Höchstwerten des Vorjahres. Mit einem KGV von knapp 10 gehören sie zu den "billigsten" Aktien im Baustoffsektor. Für Enttäuschung sorgte am Montag offenbar die etwas verhaltenere Prognose für das Gesamtjahr. Hülstrunk stellte ein Umsatzplus von vier Prozent und eine Steigerung des Betriebs-Cash-flows (Betriebsgewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) um zehn Prozent in Aussicht. Er blieb damit leicht hinter früheren Prognosen zurück, die einen Zuwachs beim operativen Gewinn im unteren zweistelligen Bereich ankündigten. Der Gewinn je Aktie werde mindestens die Vorjahreshöhe von 5,38 Euro erreichen.

Chancen in Asien und Osteuropa

Im ersten Halbjahr steigerte der Baustoffkonzern seinen Umsatz um gut drei Prozent auf 3,2 Milliarden Euro und den Konzerngewinn vor Anteilen Dritter um zwei Prozent auf 142 (139) Millionen Euro. Der Betriebs-Cash-flow legte zwar um 15 Prozent auf 583 Millionen Euro zu. Dem standen aber höhere Abschreibungen und Zinsbelastungen gegenüber. Der Halbjahresgewinn je Aktie stagnierte bei 2,15 Euro Rekordinvestitionen von 4,5 Milliarden Euro im Vorjahr sorgten für einen starken Anstieg der Verbindlichkeiten.

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