Heidi Heitzer, Opel-Händlerin : "Für unser Land ist Opel wichtig"

Opel Händlerin Heidi Hetzer über die Zukunft von Opel und das Vertrauen in die Politik.

Frau Hetzer, wollen Sie sich auch an Opel beteiligen?



Ja sicher. Es muss aber Sinn machen. Also eine neue Opel AG mit einem neuen, europäischen Management, das wünsche ich mir. Und wir müssen mindestens 3,5 Millionen Autos im Jahr bauen, um rentabel zu sein. Deshalb soll ja auch GM einen Anteil behalten, aber nicht mehr das Sagen haben.

Der Verband der Opel-Händler schlägt vor, 150 Euro eines jeden verkauften Neuwagens in einen Fonds einzuzahlen, der sich an Opel beteiligt. Eine gute Idee?

Eigentlich ja, aber da kursieren verschiedene Summen. Manche reden von der Hälfte der Händlermarge, andere von 150 Euro oder auch anderen Beträgen. Am Donnerstag treffen wir uns in Darmstadt und werden darüber reden.

Sie glauben an die Opel-Rettung?

Natürlich. Für das Land ist Opel wichtig, und die Marke ist jetzt so gut wie nie. Und das Problem mit den Patenten ist ja jetzt gelöst, die sind geistiges Eigentum von Opel und werden nur bei GM verwahrt. Aber es gibt weitere Fragen. Zum Beispiel, was ist, wenn GM pleite geht? Wie kommen wir an die Werke? Frau Merkel trifft ja demnächst Herrn Obama, vielleicht sehen wir danach klarer.

Wie läuft in diesen Wochen Ihr Geschäft?


Die Abwrackprämie ist super. Die Kunden sind sowas von nett und kaufen gerade jetzt bei uns, um Opel zu unterstützen. Da bekommt man wieder Mut. Unsere Probleme sind die Leasing-Rückläufer sowie die astronomischen Zinsen, die wir an die GMAC-Bank zahlen müssen.

Wie belastend sind die Spekulationen über eine Opel-Insolvenz?

Hier und da wird geschrieben, es gebe dann keine Ersatzteile mehr. Das ist Blödsinn. Die Werkgarantie bleibt und für die Ersatzteile gibt es auch eine Haltefrist von mindestens zehn Jahren.

Vertrauen Sie der Politik?

Es ist ja jetzt schon Wahlkampf, da sagt nicht jeder immer das Richtige, und es ziehen nicht alle an einem Strang. Es muss eine Überbrückungshilfe durch die Regierung geben, sonst geht alles kaputt.

Was machen Sie dann?

Hetzer bleibt bestehen. Auch ohne Opel. Wir konzentrieren uns dann voll auf das Werkstattgeschäft. Künftig bieten wir einen Super-Werkstattservice, sodass ich vor der Zukunft keine Angst habe. Auch weil mein Sohn jetzt mit an Bord ist.

Erst jetzt?

Ja, er war als Ingenieur im Bereich der erneuerbaren Energien tätig. Das schöne an der Krise ist, dass die Familie jetzt zusammenhält. Und das zum 90. Geburtstag: Am 13. März 1919 hat mein Vater das erste Geschäft in Charlottenburg eröffnet. Wir haben die Inflation, Hitler und die Teilung der Stadt überlebt, wir werden auch diese Krise überleben.

Heidi Hetzer (71) leitet das gleichnamige Opel-Handelshaus mit rund 100 Mitarbeitern, das ihr Vater vor 90 Jahren gründete. Mit Heidi Hetzer sprach Alfons Frese.

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