Heik Afheldt : Ein Mann mit vielen Talenten

Heik Afheldt war Chef von Prognos und Herausgeber dieser Zeitung. Heute wird er 70 Jahre alt.

Hermann Rudolph

Berlin - Woche für Woche trifft er für diese Zeitung wichtige Wirtschaftsmenschen. Da ist er also Publizist. Nicht viel weniger oft sieht man ihn bei Konferenzen. Da tritt er als Moderator auf oder als Referent. Außerdem sitzt und saß er in gut einem Dutzend Kuratorien und Vorständen, berät Unternehmen, Verbände und Stiftungen, und Geschäftsführer und Berater war er auch. Was ist also Heik Afheldt, der an diesem Sonntag 70 Jahre alt wird? Träfe er sich in einer seinen Kolumnen selber, so begegnete ihm ein freundlicher Wirtschaftsweiser, halb Hanseat (denn in Hamburg ist er aufgewachsen), halb Schweizer (denn in Basel wohnt er), grauer Zwirn und ein Hauch Executive Lounge inbegriffen.

Das Motto für seine Rolle beim Tagesspiegel, bei dem er in einer wichtigen Phase Herausgeber war, mag man bei Shakespeare finden, Hamlet, 1. Akt: „Wirtschaft, Horatio, Wirtschaft“. Das ist nicht ganz gerecht, denn Afheldt nahm auch an den anderen Bereichen der Redaktion lebhaften Anteil. Die Breite seiner Interessen, die durch den Vorsitz des Fördervereins der Kunsthochschule Weißensee und des Internationalen Designzentrums sichtbar werden, hat die Redaktionskonferenzen bereichert. Aber in erster Linie achtete er doch darauf, dass die Wirtschaft in der Zeitung den gebührenden Raum erhielt. Die Zusammenarbeit des Tagesspiegel mit dem Handelsblatt, ein gewagtes, zunächst auch nicht alle überzeugendes Projekt, verdankt ihm viel.

Dabei war Afheldt ein Spätberufener im Zeitungsgewerbe. Seine erste, steile Karriere machte er als Unternehmensberater bei der renommierten Prognos AG in Basel. Der Diplom-Kaufmann und Dr. rer. pol. schaffte es in wenigen Jahren, Mitglied der Geschäftsführung und schließlich für ein Jahrzehnt deren Vorsitzender zu werden. Dann, als Anfangfünfziger, erfolgte der Seitenwechsel, gleich auf hohem Niveau, in die Führungsgremien von Wirtschaftswoche und Handelsblatt, den wirtschaftspublizistischen Flagschiffen der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck.

In Afheldt steckt, im ruhig-heiteren Naturell noch erahnbar, ein gebürtiger Ostpreuße. Vermutlich hat er auch deshalb in den 90er Jahren das Hansekolleg mitgegründet, das wirtschaftliches Denken in die Länder Ostmitteleuropas zu bringen versuchte. Inzwischen ist aus ihm einer jener Zweitwohnungsberliner geworden, die eine wichtige Essenz dieser Stadt ausmachen. Hier zieht er seine Kreise – nicht auftrumpfend, aber zielstrebig und ziemlich ubiquitär, im Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung wie überall dort, wo von Wirtschaft und Politik die Rede ist. Hermann Rudolph

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