HEIK AFHELDT trifft … : Bernhard Kurz, Musicalproduzent

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Foto: promoFoto: Stars in Concert

Gerade tagt wieder ein großer Kongress in Berlins größtem Hotel, dem Estrel in Neukölln. Wir sitzen ungestört im Restaurant. Mir gegenüber Bernhard Kurz, einer der beiden Brüder, die mit ihrer Firma Stella Musicalgeschichte geschrieben haben. Nicht ohne Stolz erzählt der sportliche Herr mit dem schmalen Kopf und der hohen Stirn von den goldenen Zeiten der Musicaltheater. Starlight Express läuft seit 1988 mit großem Erfolg in Bochum. Mit Cats brachten sie die profitabelste Produktion aller Zeiten mit einer Rendite von 36 Prozent nach Steuern auf den Markt.

Begonnen hatte seine „Musicalkarriere“, als ihn 1985 sein Bruder Friedrich, der mit dem Erfolgskomponisten Andrew Lloyd Webber befreundet war, aus London anrief. Seine dringende Bitte: Ihn dabei zu unterstützen, Cats nach Deutschland zu bringen. Es war der Start für ihre Firma Stella. Alles ging gut, bis es zum erbitterten Kampf mit dem Konkurrenten Rolf Deyhle aus Stuttgart kam und er sich mit dem Bruder zerstritt. 1991 verkauften sie ihre Anteile an Deyhle. Die große Zeit des Musicals sei vorbei, sagt Kurz. Viele Häuser stünden leer. Es fehlen die begeisternden Musicalstars – Ute Lemper sei noch einer gewesen.

Heute entwickelt der welterfahrene Produzent für die Stars in Concert Veranstaltungs GmbH mit rund 50 Mitarbeitern Shows mit Themen zur Musikgeschichte für das Estrel Festival Center mit 800 Plätzen und für Gastspiele rund um die Welt, von Hawaii über Australien bis China. Die Beatles-Show lief drei Jahre in Athen. Buch und Regie liegen meist auch bei ihm, wenn auch unter anderem Namen. 300 Vorstellungen mit gut 200000 Besuchern jährlich sind es alleine im Estrel. Der Umsatz erreicht insgesamt zwischen fünf und sechs Millionen Euro. Immer hat er schwarze Zahlen geschrieben. Nur „Marlene“ am Kurfürstendamm sei ein Flop gewesen. Jetzt arbeitet er mit Schweizer Investoren an einem neuen Projekt.

Das „Sportlerleben“ des zweiten Sohnes eines schwäbischen Werkzeugschlossers begann als Fußballer auf nichtasphaltierten Straßen gegen Jungs der anderen Straßen. Der ältere Bruder spielte bei den Stuttgarter Kickers. Der kleine Bruder durfte nicht Fußball spielen, weil es „dumm mache“. Also wurde er Handballer, spielte in der Regionalliga für Geld und freies Benzin. Zuvor war er mit elf Jahren ohne Sprachkenntnisse zu einem Austausch in Lyon gewesen, mit 13 beim Onkel in Atlantic City und mit 15 per Anhalter nach Schottland und Wales gefahren. Bei der Olympiade in München durfte er Kenias Leichtathleten betreuen. An der Kölner Sporthochschule machte er sein Diplom. Kuwait holte ihn als Trainer des Handball-Nationalteams. Einer Wette verdankt er seinen Bob-Pilotenschein. Und Bundestrainer beziehungsweise Chef der Leichtathletik-Hallen-Europameisterschaft steht auch in der Vita. Heute lebt der „junge Golfer“ – er spielt seit zehn Jahren – mit seiner Lebenspartnerin Ute Jacobs zusammen. Aus erster Ehe hat er zwei erwachsene Kinder.

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels.

Bernhard Kurz (59) ist Geschäftsführer der Stars in Concert Veranstaltungs GmbH, die seit 13 Jahren die Doppelgängershow Stars in Concert produziert, und der Twist & Shout GmbH.

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