HEIK AFHELDT trifft … : Erhard Kemnitz Spätgründer

Erhard Kemnitz,
Erhard Kemnitz,

Jeans, ein offenes Hemd und ein zupackendes Wesen, silberweiße Haare. Aus solchem Holz sind die „grauen Gründer“ gemacht, von denen es in der Wissenschaftsstadt Adlershof eine wachsende Zahl gibt. Sie erfinden, entwickeln und arbeiten an einer verheißungsvollen Zukunft. Das Gebiet des Professors ist die Nanotechnologie und hier speziell das der Metall-Fluoride. Was man mit den Patenten machen kann, erklärt der unternehmerische Wissenschaftler an zwei Beispielen: Mit der superdünnen Beschichtung lassen sich Gläser nahezu vollständig entspiegeln. Das gilt für Brillen, Fenster, Fassaden-Elemente und Solarpaneele. Eine gesteigerte Effizienz ist die Folge. Das interessiert Firmen wie Solvay Fluor oder Centro-Solar. Sie wittern enorme Marktpotenziale und der junge Unternehmer Lizenzeinnahmen. Zweites Beispiel: Zähne. Die winzig kleinen Partikel der Metallflourid-Sole kriechen in die Furchen des Zahnschmelzes, erhärten dort und schützen vor allem die empfindlichen Zahnhälse. Mit beiden Erfindungen seien sie „Weltspitze“.

Beim Schritt in die Verwertung hat ihm die Humboldt-Innovation GmbH geholfen, die Tochter der Humboldt-Universität. Als Geburtshilfe war die Übereignung der Patente entscheidend. Jetzt hat seine Firma vier Labore und zwei Büros im nahen Gründerzentrum gemietet. Dort arbeiten die drei Mitarbeiter.

Mit zwölf kam Kemnitz in die strenge Internatsschule für Biologie und Naturwissenschaften in Güstrow. Dort machte er sein Abi und nebenher den Facharbeiter für Saatzuchttechnik. Mit 22 hatte er das Diplom, mit 26 den Doktorhut und den Humboldt-Preis. Dann wurde er Dozent an der Ingenieurschule für Chemie, habilitierte mit 35 Jahren und war bei der Wende just auf Platz 1 für die Professur für Anorganische Chemie an der HU.

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels.

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