HEIK AFHELDT trifft … : Günter Stock, Präsident

Foto: promo
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Gerade ist er als Akademie-Präsident für fünf Jahre wiedergewählt worden. Der Medizinprofessor und langjährige Schering-Vorstand ist ein Glücksfall für die Wissenschaftsstadt Berlin. Geboren wurde Günter Stock als Ältester von vier Geschwistern im heutigen Kroatien. Nach dem Krieg landete die Lehrerfamilie aus Donauschwaben in Huchenfeld bei Pforzheim. Zwei Jahre ist er beim Vater noch in die „Zwergschule“ gegangen. Sie hatten bald ein Reihenhaus und damit Platz für das Harmonium – die Leidenschaft seines Vaters. Er selbst spielte Akkordeon und Klavier, sei ein verantwortungsbewusster „braver junger Mann“ und tüchtiger Schüler gewesen. Lehrer sollte er werden, das wollten die Eltern und seine damalige Freundin und baldige Frau. Er aber träumte vom Landarzt. Nach seiner Zeit als Sanitäter beim Bund begann er Medizin in Heidelberg. Physiologie wurde sein Thema. Mit 36 wurde er Professor.

Dann kam 1983 der Lockruf von Schering: Leiter einer neuen Forschungsabteilung mit 40 Stellen und respektablem Budget. Die Entscheidung war nicht leicht. Die „Männer“ in der Familie sagten „Au ja!“, die Frauen Nein. Ein Rückkehrticket half, und man zog bald in das Haus an der Krummen Lanke. Nach fünf Jahren war der erfolgreiche Forscher Mitglied im Vorstand. Noch heute sind „seine Produkte“ ganz oben auf der Erfolgsliste. Forschungsabteilungen in den USA und Japan wurden von ihm aufgebaut. Zielstrebig und doch sympathisch locker tritt er auf, und so „führt“ er auch. Als Physiologe weiß Stock offenbar, wie die Menschen ticken.

Ihm selber war immer klar, dass er mit 62 noch etwas anderes machen wollte. Da kam ihm, der schon lange hohe Ämter in Wissenschaftsorganisationen übernommen hatte, die Anfrage seines Vorgängers gerade recht, ob er die Führung der bedeutenden Akademie in Berlin und Potsdam übernehmen wolle. Er wollte und wurde einstimmig gewählt – eine Seltenheit bei so heterogenen Wahlgremien! Mit rund 300 Mitarbeitern und einem Jahresetat von 23 Millionen Euro aus Landes-, Bundes- und Drittmitteln forschen sie an Themen wie dem kulturellen Erbe, der Sprache, der Integration, dem Lernen in Schulen oder der Entwicklung ländlicher Räume. Die Akademie vergibt die angesehensten Auszeichnungen mit Namen wie Kant, Leibniz oder Helmholtz. Mit der Initiative „Berlin – Hauptstadt für die Wissenschaft“, die die Jubiläen von der Akademie, HU, Charité, Max-Planck-Gesellschaft und Staatsbibliothek bündelt, wollen sie in der Öffentlichkeit werben. Die Bürger für die Zivilgesellschaft zu gewinnen, sei entscheidend. „Sonst dürfen wir eines Tages nicht mehr tun, was wir tun müssen“, mahnt er.

Für Berlin, die künftige „europäische Wissenschaftsmetropole“, träumt er von einem biomedizinischen Campus entlang der Heidestraße mit dem Virchow-Klinikum im Norden und der Charité im Süden. Den Traum hat er jetzt in die Ferien am Lago Maggiore mitgenommen.

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels.

Günter Stock (66) ist Präsident der Berlin-

Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und Sprecher des Netzwerks Gesundheitswirtschaft (HealthCapital Berlin-Brandenburg).

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