HEIK AFHELDT trifft … : Heinz Pietzsch Mäzen

Heinz H. Pietzsch,
Heinz H. Pietzsch,

Sein Haus im Grunewald ist ein Kunstwerk. Klare Linien, so wie der Unternehmer und begeisterte Kunstsammler und seine charmante Ehefrau Ulla sie ausstrahlen. Im Inneren nimmt einen die umfangreiche Sammlung der modernen Kunst gefangen. Nicht alles hat Platz, vieles ist „auf Reisen“ zu großen Ausstellungen, manches im Depot. Ausgegeben haben sie im Laufe der 45 Sammlerjahre etliche Millionen. Der erste Ankauf war ein Altenbourg für 750 Mark. Der heutige Wert der Sammlung wird auf über 100 Millionen geschätzt. Es begann mit einer Ausstellung im noch heilen Militärmuseum in Dresden nach den schrecklichen Bombennächten, die er als 14-Jähriger Luftwaffenhelfer überlebt hatte. Das Thema „Ist das entartete Kunst?”.

Nach dem Abi in Dresden startete er in einer VEB-Holding und wechselte dann ins Staatssekretariat für Materialversorgung. Seine mangelnde Linientreue machte er durch Leistung wett. Aber 1955 ging er in Frieden rüber nach West- Berlin und wurde dort Handelsvertreter für Kunststoff-Produkte. Er vertrat auch große amerikanische Firmen, die in den Osten exportieren wollten, bis Schalck- Golodkowski dieses lukrative Geschäft für sich „beschlagnahmte“. Aber für Heinz Pietzsch war das der Anfang einer erfolgreichen Strategie zum Aufbau einer großen Gruppe von in der Spitze zwölf mittelständischen Firmen mit einem Umsatz von 750 Millionen Euro. Die Schenkung seiner Sammlung an das Land Berlin hat er mit einer Auflage versehen. Es muss endlich ein Museum für die Kunst des 20. Jahrhunderts geben. Wenn es nach ihm ginge, würde das in der Gemäldegalerie am Kulturforum eingerichtet. Für deren Bilder sollte ein Neubau gegenüber dem Bode-Museum entstehen. Berlin hätte dann in Nachbarschaft zur Neuen Nationalgalerie die wundervolle Kunst zurück, die einst hier entstanden und dann im dritten Reich verstreut worden ist.

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels.

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