HEIK AFHELDT trifft … : Hermann O. Solms

09.09.2011 21:33 Uhr
Hermann Otto Solms 70, Foto: picture alliance / dpa
Hermann Otto Solms 70, - Foto: picture alliance / dpa

FDP-Finanzexperte

So viel wirtschafts- und finanzpolitischen Sachverstand findet man in den oberen Etagen der Politik nicht oft. Vom noblen Büro des Vizepräsidenten des deutschen Parlaments, Hermann Otto Solms, blickt man auf den Reichstag, in dem gerade der neue Haushalt vom Finanzminister eingebracht wird. Um ein Haar hätte das auch der immer noch irgendwie jungenhaft wirkende Spross aus einem altehrwürdigen Adelsgeschlecht – eigentlich ist er ein echter Prinz – und Liberale sein können. Aber er findet, für solche Aufgaben sei er zu alt. Ganze 40 Jahre ist er nun schon als FDP-Mann aktiv. Erst als Kreisvorsitzender in seiner Heimat im Siegerland, seit 1980 Bundestagsabgeordneter und dann als Kopf seiner Fraktion im Bundestag, als Schatzmeister und heute vorne im Parlament als versierter Sitzungsleiter.

Was hat diesen so höflichen und sympathischen Herrn geprägt und woher kommt seine ausgeprägte ökonomische Kompetenz?

Er erinnert sich an die ersten Jahre im Schloss der Familie in Lich. Die eine Hälfte war zum Krankenhaus geworden, in der anderen Hälfte drängten sich immer mehr Flüchtlinge. Es waren bis zu 20 Kinder zum Spielen da. Sein Vater, Flieger, starb früh bei einem Unglück.

Mit acht Jahren ging es nach Bayern in ein Internat in Stein an der Traun. Die ersten zwei Jahre, sagt er, waren wenig schön, danach hat er sich sehr wohl gefühlt. Und die Kompetenz? Nach dem Abi kam der Wehrdienst bei der Luftwaffe, dann eine Banklehre in Frankfurt und danach das Studium an der noch kleinen Reform-Uni in Gießen. Dann ein Jahr an der Kansas State Uni in den USA und schließlich der Abschluss als Diplom Ökonom. Seinen Dr. agr. hat er sechs Jahre später zum Thema Unternehmensspiele in der Landwirtschaft gemacht. Das war ganz neu und „man hätte nichts abschreiben können“, schmunzelt er. Acht sehr erfolgreiche Jahre als Jungunternehmer mit Spielautomaten und einem Start in einer Garage haben ihn viel gelehrt – unter anderem Rechnungswesen und hart zu arbeiten.

Zur aktuellen Europadebatte hat der überzeugte Europäer eine klare Meinung: Auch in zehn Jahren gibt es den Euro noch. Einiges wie die Mehrwertsteuern könne man vereinheitlichen, aber ansonsten soll das Haus Europa so geregelt sein, dass, wer über Ausgaben entscheidet, auch die Verantwortung haben muss. Europa drifte heute zu weit von den Wählern weg. Seine Antwort auf die Frage, in welcher Schublade sein letztes Steuerreformkonzept ruht, ist: in Schäubles! Warum? Das müsse ich ihn selber fragen.

Heik Afheldt war Herausgeber

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