HEIK AFHELDT trifft … : Hermann ParzingerChef der Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Hermann Parzinger,
Hermann Parzinger,

Beides sieht man dem Kulturmanager aus Bayern nicht an: den goldenen Daumen und den schwarzen Judo-Gürtel. Aber sein prächtiger Arbeitsplatz am Landwehrkanal – nach dem Krieg als künftiger Sitz des Bundeskanzlers wiedererrichtet – verrät die Bedeutung von Deutschlands größter Kulturinstitution. Zu ihr gehören die Staatlichen Museen, die Staatsbibliotheken, das Ibero-amerikanische Institut und das Geheime Staatsarchiv. Insgesamt hatten sie 2010 ein Budget von mehr als 250 Millionen Euro und 2000 Mitarbeiter. Als die wichtigsten Aufgaben sieht der Mann, der als Prähistoriker anerkannt ist und weltweit erfolgreich „gegraben“ hat, das Humboldt-Forum, das Projekt einer Deutschen Digital-Bibliothek und die Museumsinsel.

Den „goldenen Finger“ hatte er, als er in Südsibirien ein skythisches Fürstengrab mit 6000 Goldobjekten fand. Aber die Eismumie im Altai-Gebirge oder die keltiberische Höhlenburg in Spanien sind für ihn mindestens so wichtig. Wie er zur Archäologie gekommen ist? Irgendwie zufällig. Zu Hause hatten sie viele Bücher und so hat er unheimlich viel gelesen. Mit 17 ist er nach Istanbul und zurück getrampt, mit 19 hat er mit dem Lkw die Sahara gequert. Und an der Uni in München ist er dem Althistoriker Georg Kossak begegnet. Der war so etwas wie ein Idol. Der Samen ist prächtig aufgegangen. Die Liste der Publikationen und der internationalen Ehrenämter ist ellenlang.

Wie er das alles schafft? Mit Erfahrung, mit Etats und Verwaltungsstrukturen und einem kühlen Kopf. „Baustellen lassen mich kalt“, erklärt er ruhig. Seine Frau, Spanierin und Althistorikerin, hat er vor mehr als 20 Jahren beim Graben bei Málaga getroffen. Mit ihrer Tochter wohnen sie in Charlottenburg. In Berlin ist der Judoka Parzinger mehrmals Meister geworden. Bis zur Eröffnung des Humboldtforums 2019 wird er also topfit bleiben.

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels.

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