HEIK AFHELDT trifft … : Isabel Pfeiffer-Poensgen Generalsekretärin

Isabel Pfeiffer-Poensgen,
Isabel Pfeiffer-Poensgen,

„Kulturstiftung der Länder“ steht unten am Eingang des schönen alten Gebäudes am Lützowplatz. Leuchtende Kunst empfängt den Besucher schon im Foyer. Und dann oben in den hohen, lichten Räumen die Chefin dieser Institution, Isabel Pfeiffer: ein langer blondgrauer Schopf, große, dichte Augenbrauen und eine imposante und entgegenkommende Selbstsicherheit. In Aachen ist sie geboren und aufgewachsen als Jüngste von vier Kindern in einem protestantischen Elternhaus mit viel Kunst und Musik. Vater und Mutter waren Mediziner, der Vater übernahm allerdings den Familienbetrieb, eine Textilfirma. Der Großvater war Stifter des Karlspreises, der Vater Fraktionsvorsitzender der CDU im Rat der Stadt.

Tochter Isabel, die von sich sagt, sie sei immer überall die Jüngste gewesen und bekannt für ihre Freude am Reden, machte mit 17 Abitur. Dann studierte sie Kunst und Kunstgeschichte und anschließend Jura bis zum 2. Staatsexamen. Zwischendurch überbrückte sie Wartezeiten als Babysitterin bei ihrer Schwester in den USA, in die sie später als Referendarin zur Ausbildung in eine Kanzlei in New York zurückkehren konnte.

Den Start ins richtige Berufsleben bot ihr 1983 die Hamburger Kultur- und Wissenschaftsverwaltung. Meyer-Abich war damals Senator, sie Regierungsrätin. Die fünf Jahre dort hat sie genossen. Dann kam das Angebot aus Köln, Kanzlerin der dortigen Musikhochschule zu werden. Eine wunderbare Aufgabe, und ihr Mann managte auch seinen Berufswechsel in die Domstadt. Der nächste Ruf kam zehn Jahre später aus ihrer Heimatstadt – von der SPD und den Grünen: Beigeordnete für Kultur und Soziales. Auch diese Führungsaufgabe mit vielen Abendveranstaltungen hat sie genossen und gemeistert.

Seit November 2004 ist sie die Generalsekretärin der Stiftung der Länder. Der Vorschlag kam von NRW. Mit insgesamt neun Mitarbeitern und einem Etat von rund zehn Millionen Euro kümmert sie sich um die Kernaufgabe dieser föderalen Stiftung: Ankauf von Kunst für öffentliche Sammlungen wie Museen und Bibliotheken. Die Satzung schreibt vor, dass höchstens ein Drittel aus Mitteln der Stiftung kommen darf, für die übrigen zwei Drittel müssen Dritte gewonnen werden. Das Interesse reicht von mittelalterlichen Inkunabeln bis zur Computerkunst.

Ein erster Erfolg war der Rückkauf des Quedlinburger Domschatzes. Ein Lieblingsprojekt von ihr: eine genaue Aufnahme der deutschen und russischen Kulturverluste während des Krieges, gefördert auch von der VW-Stiftung. Sorge bereitet ihr, dass die Mittel der Länder seit 1994 gleich geblieben sind, die Preise am Kunstmarkt sich aber vervielfacht haben.

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels.

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