HEIK AFHELDT trifft ... : Jochen Sandig

Kultur-Unternehmer

Jochen Sandigist 43
Jochen Sandigist 43

Gerade hat das heute weltbekannte Radialsystem V im einstigen Niemandsland an der Spree den fünften Geburtstag gefeiert. Der Regierende habe in seiner Rede über ihn gesagt, „er nerve, aber immer für eine gute Sache“. Damit fühlt er sich ganz gut getroffen. Durch und durch offen und neugierig, ein Querdenker, hyperaktiv, in der Schule in allen Fächern sehr gut, aber irgendwie oft der Klassenclown sei er gewesen. Der Humus für seine kreative Lust am Verändern ist sein weltoffenes, gesellschaftspolitisch engagiertes Elternhaus im schwäbischen Esslingen. Der Vater ist Ingenieur aus Meissen, die Mutter Kindergärtnerin aus Linz.

Nach Berlin kam er 1988 sozusagen über den Ostteil. Er war verliebt in eine junge Cousine dort und fasziniert von der Stadt. Den Tränenpalast kennt er aus eigener Erfahrung. Unvergessen dann die Hausbesetzung des Gebäudes, das durch seine Initiative zum Tacheles wurde. Bis zu 80 ABMler werkten dort zeitweise. Dass der zugesagte langfristige Mietvertrag nicht zustande kam, war eine riesengroße Enttäuschung. Aber ihn hat diese Zeit die Liebe und Lust zur ganzen Palette der Kunst gelehrt. Vier Jahre später suchte die junge Choreografin Sasha Waltz einen Produktionsleiter und fand ihn und ihren Mann in dem quirligen und so attraktiven jungen Kreativen. Ein andauerndes, fruchtbares Projekt ist daraus geworden, mit zwei gelungenen Kindern.

Gelungen sind auch seine anderen Projekte: Die Tanz-Compagnie Sasha Waltz & Guests, deren Geschäftsführer er ist, die Sophien Säle und dann 2006 die Radialsystem V., das er mit seinem Partner Folkert Uhde gründet und führt. 65 Mitarbeiter und ein Umsatz von 3,5 Millionen Euro ohne jede öffentliche Förderung belegen den Erfolg.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

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