HEIK AFHELDT trifft … : Jörg Spötter

„Konservierer“.

Jörg Spötter,
Jörg Spötter,

Den Eingang in das Geschäft an der Gierkezeile markiert ein altmodischer Film- Vorführapparat über der Tür. Innen in den „Produktionsräumen“ rattert es, wie man es von Vorführungen endloser Ferienfilme kennt. Diese zerbrechlichen Vergangenheiten auf Zelluloid in die digitale Zukunft zu retten, das ist die faszinierende Aufgabe, der sich Ida, das Institut für digitale Aufbereitung, widmet. Jörg Spötter ist der aktive der beiden GbR- Partner, die das Unternehmen 2005 gegründet haben. Mit einer gewinnenden Offenheit lässt der Germanist und Theaterwissenschaftler den Film seiner Vita noch einmal vorbeilaufen.

Geboren vor 50 Jahren in Peine, der von Bauern und Stahlwerkern geprägten Stadt, aufgewachsen in einem Mehrgenerationenhaus, Leseratte und Sportler, Kapitän der Handball-Schulmannschaft, aktiv im CVJM. Unvergessen die „Knastarbeit“, weinende Mörder an Weihnachten. Aktiver Wehrdienstverweigerer, nicht anerkannt. Deshalb mit 19 an die FU nach Berlin. Nach dem Magister drei Semester Dozent für Deutsch und Literaturgeschichte an der türkischen Universität Cukurova in Adana.

Im Golfkrieg wurde es hier, der Basis für die US-amerikanischen Einsätze im Irak und in Reichweite der Scud-Raketen, gefährlich. Also zurück nach Berlin in ein Unternehmen für Berufliche Weiterbildung von Aussiedlern. Als die Budgets hierfür eingedampft wurden, ging es 1993 zur Treuhand-Anstalt. Seine Aufgabe: Aufbau des komplexen Reprivatisierungs-Archivs. In den sieben Jahren dort, sagt er, habe er unendlich viel über die Geschichte der DDR gelernt. 2000 wurde das Archiv nach Kanada verkauft. Er wechselte in die Unternehmensberatung M2. Schnittstellen-Management und die dafür geeigneten DV-Programme wurden nun seine Spezialität. Aber der größte Kunde VW wurde „flüchtig“.

Flüchtig seien auch digitale Speicher-Medien, aber die Übertragung auf künftige Medien sei leichter. Ein EU-Programm zur Rettung des visuellen Erbes Europas ziele vor allem auf die Hochkultur. Sie konzentrieren sich auf die Alltagskultur. Ihre Kunden sind Museen oder Galerien und Privatleute. Die Zukunft liegt auch hier in den Clouds, den „Wolken“, aber der Markt sei groß und die Arbeit mit den Menschen, die zu ihnen kommen, faszinierend.

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels

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