HEIK AFHELDT trifft … : Karl Max Einhäupl, Chef der Charité

Foto: promo
Foto: promoFoto: picture-alliance/ dpa

Die weltbekannte Charité, der dieser sympathische Medizinprofessor vorsteht, ist schon 300 Jahre alt. Das Gebäude mit dem großzügigen Chefzimmer stammt aus dem 19. Jahrhundert. Der Herr mit dem vollen grauen Haarschopf und aufmerksamen, verschmitzten Augen begrüßt mich wie einen altbekannten Patienten mit dem typischen „Wie geht es Ihnen?“.

Seine Herkunft aus einem wohlhabenden katholischen Münchner Architekturhaushalt haben ihn so geprägt wie die berühmte Wohnsiedlung Borstei, in der er groß geworden ist. Aber abenteuerlicher waren für ihn als Kind die benachbarten Nachkriegstrümmerlandschaften und seine eigenen Chemielabore und Mäusezuchten in alten Garagen. Auch Radfahren und Bolzen und „Natur“ waren beliebt. Er war mal Schulsprecher, aber kein durchgehend guter Schüler. In Sprachen gab es meist ein „ungenügend“, in allen anderen Fächern nur Einser. Sein Vater wollte, dass er sein Büro übernehme, aber nach dessen frühem Tod 1965 hat sein Bruder das gemacht. Der Karl Max wusste schon mit 15, dass er Mediziner werden wollte. Dass es dann Neurologie und Psychiatrie wurde, war rein zufällig, sagt er. Wissenschaftler aber war er mit Leib und Seele und deshalb lange Zeit neben seiner Professur für Neurologie an der HU und Direktor der Klinik für Neurologie der Charité auch Vorsitzender des Wissenschaftsrats und des Hochschulrats der TU München.

Sozusagen aus dem eigenen Haus hat Senator Zöllner ihn 2008 geholt, als es galt, die Charité und ihre Kliniken mit großen Einsparvorgaben neu aufzustellen. Damals hat er zugesagt, weil er die Zukunft einer so bedeutenden Institution – die einzige international bekannte Marke im deutschen Medizinsektor mit 16 Sonderforschungsbereichen, 103 Kliniken und Instituten, gut 13 000 Mitarbeitern, mehr als 7000 Studenten und einem Jahresumsatz von 1,2 Milliarden Euro – nicht den McKinseys oder Roland Bergers überlassen wollte. Das findet er auch heute noch richtig, gesteht aber auch, dass sich sein Leben enorm geändert habe. Er beklagt sich nicht, findet es aber auch nicht schön, „ständig in der öffentlichen Kritik“ zu stehen. Wesentlicher Teil seiner Pläne ist eine produktive Partnerschaft mit dem Cluster der Berliner Gesundheitswerkstatt, mit der Medizintechnik und der Pharmaindustrie. Investitionen in die Substanz wie die Sanierung des Bettenturms seien unabdingbar, aber er betont auch, die Charité sei „so effizient wie man nur sein kann“.

Die Fusion der drei Unikliniken hätte er so nicht gewollt, aber es sei absurd, das noch einmal zurückzudrehen zu wollen. Als ein besonderes Spezifikum der Charité sieht er die schnelle Weitergabe von Forschungsergebnissen ans Krankenbett – Translation genannt. Der Chef ist deshalb besonders bestürzt, dass Berlin das einzige Bundesland ist, in dem die forschungsorientierten Ausgaben für Medizin nicht stiegen, sondern kontinuierlich und drastisch gekürzt würden.

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels.

Karl Max Einhäupl (64) ist Vorstandsvorsitzender der Charité Universitätsmedizin, Neurologieprofessor und ehemaliger Vorsitzender des Wissenschaftsrats. Geboren wurde er in München.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben