HEIK AFHELDT trifft … : Künstler Bertrand Freiesleben

Kunst im Stilwerk an der Kantstraße? Eine Ausstellung zum zehnjährigen Bestehen? Nein, eine der für Berlin so typischen Zwischennutzungen!

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Foto: Mike Wolff

Auf 200 Quadratmetern stehen rechts in einer Reihe auf hölzernen Stelen die ausdrucksstarken Köpfe von Walter Scheel oder Ralf Dahrendorf; gegenüber anmutige Frauenplastiken und weitere Werke des Künstlers Bertrand Freiesleben. Dieses „Schaufenster“ nutzt er jetzt im Dezember gerne, um neue Interessenten zu gewinnen.

Von seiner Dozentenstelle an einer Kunstschule und den Porträtbüsten, die er schafft, muss er mit seiner fünfköpfigen Familie ja irgendwie leben. Atelier und Wohnung im Prenzlauer Berg wollen bezahlt sein. Kunst und große Persönlichkeiten haben den Lübecker schon früh fasziniert. Willy Brandt hat in seiner Straße gewohnt und ist zur selben Schule gegangen. Als Junge wollte er „Willy Brandt werden“. Denken und handwerkliches Arbeiten, das waren die elterlichen „Zutaten“ zu seinem Leben. Der Vater war Mikrobiologe, die Mutter Handwebemeisterin. Mit sieben hatte er erste private Zeichenstunden. „Mit wenig Mitteln viel erreichen“, das hat der alte Professor (Jahrgang 1885!) ihm beigebracht. Mit drei Strichen unverkennbar eine Eiche zu zeichnen. Nach dem Abi und dem Zivildienst als Leiter einer Behindertenwerkstatt für Keramik und einer Schwerstbehinderteneinrichtung ging es für zwei Semester an die Kunsthochschule Kiel und dann zum Weiterstudieren nach New York. Schnell fand er eine Galerie in Soho und verkaufte erste Arbeiten. Es war eine anregende, gute Zeit „auf der Suche nach dem Wesen der Dinge“.

„The Sublime is Inside“, war das Thema seiner Ausstellung in Pittsburgh 1992. Dann ging es nach Berlin: Kunstgeschichte und Philosophie an der FU. In den Semesterferien machte er Porträtbüsten. Ein Höhepunkt war 1998 der Gewinn des Grand Prix der Académie des Beaux-Arts in Paris für seine Zeichenarbeiten. Nach einer physisch und psychisch etwas schwierigen Phase arbeitet er nun mit großer Hingabe wieder an seinen „Köpfen“. Bis zu sechs Sitzungen braucht es, bis sie in Silikon aus einer Stein- oder Bronzeform gegossen werden. 15 000 Euro kostet einer. Die Auflage: maximal zehn. Die nächsten Köpfe warten schon: Veronica Ferres, Didi Hallervorden und Johannes Heesters. 2010 geht es mit einem Stipendium der Kulturstiftung der Länder nach Florenz.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

Bertrand Freiesleben (42) ist Künstler und Bildhauer, an der FU hatte er Kunstgeschichte und Philosophie studiert. Zurzeit stellt der gebürtige Lübecker seine Werke im „Stilwerk“ aus.

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