HEIK AFHELDT trifft … : Kurt Schnauck, Autohändler

Den 65. Geburtstag des weithin bekannten und beliebten Autohändlers haben sie jüngst gefeiert. Zusammen mit den 35 Jahren, die die Firma mit seinem Namen schon besteht, war es eine runde 100. Seit dem Start mit seinem Partner Riller 1976 als jüngster BMW-Händler in der Steglitzer Schlossstraße ging es nur aufwärts. Jetzt sind es 387 Mitarbeiter an sechs Standorten in Berlin, Teltow, Dresden und Meißen. Zum Jahresumsatz von fast 140 Millionen Euro tragen auch Motorräder und Edelmarken wie Jaguar, Land und Range Rover und – immer wichtiger – das Mietgeschäft bei. Die Hälfte der Erlöse kommt aus dem Reparaturgeschäft. Schon 60 Prozent der Gebrauchtwagenverkäufe laufen über das Internet. Service schreiben sie ganz groß. Die Werkstätten arbeiten im Schichtbetrieb bis 22 Uhr und natürlich gibt es einen Hol- und Bringservice. Das honorieren ihre 65 000 Kunden und erklärt ihren hohen Marktanteil von 28 Prozent.

Die Zukunft sieht der gebräunte Herr mit dem Kopf eines Literaten, randloser Brille und frecher Krawatte sehr optimistisch. Sie werden weiter expandieren, vor allem in Ostdeutschland. Am E-Mobility-Projekt beteiligen sie sich mit dem Mini. Bis 2020 sieht er allerdings nur eine bescheidene Flotte von vielleicht 8000 Fahrzeugen in Berlin. Für die Zukunft setzt der erfahrene Automann eher auf Wasserstoff.

Sein Metier gelernt hat der jüngste Sohn des Inhabers einer Glaserei in Neukölln und einer sehr lebenstüchtigen Mutter von der Pike auf. „Fröhlich und kreativ“ sei er schon immer gewesen und „unternehmerisch“. Sie waren eher arm nach dem Krieg. Schon als Schüler hat er sich durch einen „Holservice für alte Damen“ Geld verdient und später mit Freunden Wohnungen saniert. „Immer nach vorne schauen“, ist sein Motto – auch als Sportler. Seit dem 16. Lebensjahr liebt er das Segeln. Er rudert und golft und läuft – einmal brachte er es sogar zum Berliner Waldlaufmeister. Seine Sportbegeisterung erklärt er so: Ihr Sportlehrer war auch ihr Klassenlehrer. Seine dreijährige Werkzeugmacherlehre hat er „gut verdaut“ und später noch den Kaufmann gemacht. Mit 17 hat er sich bei Ford als Junior-Verkäufer beworben und die fehlende Voraussetzung, den Führerschein, in Nullkommanichts geschafft. Nach drei Jahren Ford wechselte der erfolgreiche Verkäufer zu Renault an den Kaiserdamm, hat dort „gutes Geld“ gemacht und ist jahrelang Rallyes gefahren. Bis er mit dem „guten Geld“ ins eigene Risiko ging und sein Unternehmen gründete.

Zeit für die Gründung einer eigenen Familie war erst 1998. Aber auch das Unternehmen scheint erfolgreich zu sein. Stolz erzählt er von seiner Frau – die Handschrift der Architektin ist in den modernen Neubauten in Teltow und am Hindenburgdamm nicht zu übersehen – und seinen zwei Kindern. Kaum positive Bemerkungen hat er dagegen für die Mittelstandspolitik des Berliner Senats übrig. Die fehle leider weitgehend.

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels.

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