HEIK AFHELDT trifft … : Leonie Baumann

Rektorin der Kunsthochschule Weißensee.

Leonie Baumann ist knapp
Leonie Baumann ist knapp

Der Kopf der Kunsthochschule Weißensee ist dunkelblond und gehört zu einem 1 Meter 86 langen, meist schwarz gekleideten Körper. Seit April leitet die Tochter aus einer Salzufler Arbeiterfamilie mit Engagement und Sachverstand die international renommierte Ausbildungsstätte für junge Kreative im Norden der Stadt. Das Bauhaus hat hier einst Pate gestanden mit dem einjährigen Studium Generale und den Werkstätten für die Ausbildung junger Künstler und Gestalter.

Künstlerinnen und Gestalterinnen, würde mich die Rektorin, die seit jungen Jahren vehement für die Chancen von Frauen eintritt, korrigieren. Früher in der Schule sei sie „etwas unkontrolliert, aber immer dominant“ gewesen. Sie war Schulsprecherin und schon mit zwölf Jahren größer als die Lehrer. Kultur hat sie früh interessiert, in der Schultheatergruppe, im Pädagogik- und Soziologie-Studium an der Uni Bielefeld – mit dem Fokus auf Kultur- und Medientheorie – , in den fünf Jahren als Leiterin des Jugendkulturrings in der damals jungen Universitätsstadt Osnabrück und in der gewerkschaftlichen Kulturarbeit.

Nach ihrem Umzug nach Berlin in den 80er Jahren war ihr Thema „Kunst am Bau“, im Kulturwerk Berlin und als Redakteurin der gleichnamigen Zeitschrift. Von 1991 bis zum Frühjahr leitete sie die Neue Gesellschaft für bildende Kunst, die NGBK. Diverse Veröffentlichungen und ehrenamtliche Tätigkeiten zeugen von ihren breiten und erfolgreichen Aktivitäten.

Was reizt eine, die nicht aus der Lehre kommt, an der neuen Aufgabe als Hochschulrektorin? Das interdisziplinäre Profil von Weißensee mit dem „explosiven Gemisch“ aus Theorie, Kreativität und handwerklicher Praxis. Damit sei die Kunsthochschule einzigartig. Und dann schwärmt sie von dem Campus mit seinen denkmalgeschützten Bauten, den sie weiterentwickeln möchte. Was es dazu brauche? Geduld und eine eigene Vision. Es sei eine klassische Moderatorenrolle. Mit ihrem klaren Blick durch ihre dunkle Brille, ihrer Fähigkeit zum Zuhören und ihrem gewinnenden Lächeln sind die Voraussetzungen für einen Erfolg da.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

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