HEIK AFHELDT trifft … : M. Schmidt-Kulbe

Schönheitsmediziner.

Michael Schmidt-Kulbe,
Michael Schmidt-Kulbe,

Der Doktor trägt keinen weißen Kittel sondern ein offenes blaues Hemd. Darüber der Kopf eines Yul Brynner im Alter von vierzig und ein beweglicher neugieriger Geist. Die Praxis im Beisheim-Center ist von exquisiter Eleganz. Die Glastüren zu den Behandlungsräumen zieren die idealen Torsi von Frauen und ein männlicher Rücken. Sie spiegeln die Motive der gut 600 Menschen wider, die seit 2008 jedes Jahr hoffen, sich mithilfe des Mediziners den Schönheitsidealen anzunähern. Dafür zahlen sie zwischen 80 und 5000 Euro je nach „Mitteln“ – Botox und Hormone – und der Dauer der Behandlungen, von Fettabsaugen bis Lifting. Alles aus den eigenen Taschen. „Die Kasse bleibt vor der Tür“, sagt er.

Sein Handwerk hat er vor allem in den USA gelernt. Aber der Sinn für schöne Körper ist irgendwie schon während der Schulzeit auf Sylt erwacht. Nur gab es bis zum fertigen Mediziner etliche Umwege. Sein Vater, erfolgreicher Wirtschaftsprüfer, wollte den „Kronprinzen“ in seinen Fußstapfen sehen. Der Kompromiss mit dem mehr an Buddhismus und Design interessierten „Träumer“ war nach zwei Jahren als Sanitäter beim Bund ein Jura- Studium in Hamburg. Erst nach dem 1. Staatsexamen dort kam die Zulassung zum Medizin-Studium in München. Danach folgte eine steile Karriere als Marketing-Mann in der Pharma-Sparte von Hoechst. Ob in China oder in New Jersey, überall war er erfolgreich. Aber dann wurde in den USA umstrukturiert und sein Vertrag aufgehoben. Das war das Tor zu seinem Weg nach Berlin, zunächst als Geschäftsführer eines Pharmaverbandes. Irgendwie behagte ihm die Arbeit dort nicht. Deswegen sitzt er nun in seiner schönen Praxis gleich neben dem dazugehörigen Kosmetik-Salon einer Partnerin.

Seine Tätigkeit findet er sinnvoll. Er unterscheidet zwischen Patienten und Kunden. Beide begrüßt er mit Sekt, aber bei Patienten sieht er medizinische Gründe für eine Behandlung. Die Kunden wollen einfach Schönheit kaufen. Und darauf versteht er sich. Hormone bezeichnet er als „Regisseure des Lebens“, nur in Deutschland gäbe es noch eine verbreitete, unbegründete Angst vor ihnen – aber dafür unzählige maskenhafte Gesichter, die von Botox-Billig-Behandlungen zeugen.

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels.

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