HEIK AFHELDT trifft … : Mario Ahlberg,

der Nachfolgeprobleme löst.

Mario Ahlberg,
Mario Ahlberg,

Und ob es noch Industrie in Berlin gibt! Aber immer mehr Unternehmern fehlen Nachfolger. Das war für Mario Ahlberg vor fünf Jahren die Gelegenheit, um nach etlichen Jahren als leitender Manager bei Herlitz und Teles und verschiedenen Anläufen endlich „sein eigener Herr“ zu werden. Es ging um die alteingesessene Metallwarenfabrik Johannes Banholzer. Das war für den gelernten Turbinenschlosser und studierten Informatiker (Dipl. Ing. der TU Dresden) ein besonders geeignetes und relativ risikoarmes Projekt. In einem Hinterhofgebäude in der Otisstraße und in deren alten Fabrikhallen stellen sie kleine unscheinbare Metallteile für Autos her, „Teile, die der Fahrer nie sieht“. Ihre Kunden sind vornehmlich Zulieferer. Fast die Hälfte ihrer „Teilchen“ landen in Daimler-Fabriken in der ganzen Welt.

Vermittelt hat den Erwerb der Firma das Kompetenzcenter für Gründungen und Unternehmensnachfolge der LBB. Finanziert hat Ahlberg es zu je einem Drittel mit einem günstigen KfW-Darlehen, Fremdkapital und Eigenkapital von Freunden und aus der eigenen Tasche. Der Preis bleibt geheim, aber so etwas über eine Million mag er bezahlt haben. Mit den mittlerweile hinzugekommenen Werken in Zossen und Dabendorf (Daweba Werkzeugbau), wo die komplizierteren Stanzwerkzeuge gefertigt werden, soll der konsolidierte Umsatz 2012 sechs Millionen Euro erreichen.

Der selbstbewusste und dynamische Berliner aus einer katholischen Familie ist zufrieden mit seinem Leben. Seit kurzem trägt die Firma auch seinen Namen: Ahlberg Metalltechnik. Der Mann, der sich „eigentlich als faul“ bezeichnet, aber häufig über 70 Wochenstunden arbeitet, ist stolz auf das Betriebsklima. Bei Herlitz und Teles hat er lehrreiche Erfahrungen machen können. Im Büro bei ihm arbeiten heute nur Studierte. Sie und die Mitarbeiter an den Maschinen motiviert er mit zeit- und umsatzabhängigen Prämien. Dafür gibt es kein Weihnachtsgeld.

Ahlberg engagiert sich für die katholische Kirche in Berlin und macht sich ein besonderes Weihnachtsgeschenk: Demnächst zieht die Familie in die Orangerie am Schlosspark Schönhausen.

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels

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