HEIK AFHELDT trifft … : Michael Müller

Bürgermeister und Senator.

Michael Müller (48),
Michael Müller (48),Foto: dapd

Ein randvoller Tagesplan und trotzdem eine entspannte Stunde in seinem Zimmer im Roten Rathaus in Berlin-Mitte. Er erzählt von der väterlichen Druckerei in Tempelhof, seiner Schulzeit und der Begeisterung fürs Rudern, für Leichtathletik und Volleyball, der Faszination, die Raumfahrt und Fliegerei schon immer für ihn hatten und von seinem frühen Interesse an Politik, die umstrittene Atomenergie und dann natürlich die Aufbruchstimmung nach der Wende 1989/90.

Mit 15 war der Junge mit dem charakteristischen breiten Lächeln schon bei den Jusos und mit 24 für die SPD in der Bezirksversammlung. Die CDU hatte da noch 50 Prozent.

Vor allem für eine bessere Jugendpolitik wollte sich der junge Abgeordnete einsetzen. Da hatte er schon die Fachoberschule und seine Lehre als Bürokaufmann abgeschlossen. Er arbeitete in der kleinen Druckerei seines Vaters, der diese noch heute mit einer Handvoll Mitarbeitern betreibt. Die anschließende politische Karriere – oft im Schulterschluss mit Klaus Wowereit – ist bekannt. Bezirksverordneter, Kreisvorsitzender, Abgeordneter und Fraktionsvorsitzender und dann seit 2004 bis Juni dieses Jahres Landesvorsitzender der Berliner SPD.

Ein wenig mag ihn der Verlust dieser wichtigen Funktion noch schmerzen. Aber die neuen Aufgaben als Bürgermeister und Senator für Stadtentwicklung und Umweltschutz fordern seinen ganzen Ehrgeiz. Und den hat er. Vor allem auf zwei Erfolge möchte er in einigen Jahren zurückblicken: auf eine gute Entwicklung der drei „Zukunftsorte“ Adlershof, Tempelhof und Tegel und auf ein verbessertes soziales Klima in den Bezirken. Hier setzt er zunächst auf die Politik.

Mit verstärktem Wohnungsbau, gebremstem Mietenanstieg oder Verboten der Zweckentfremdung will er für ausreichende Angebote für die steigende Wohnungsnachfrage in der wachsenden Stadt und eine bessere soziale Durchmischung sorgen. Er erhofft sich ein kräftigeres bürgerschaftliches Engagement, auch wenn das der Politik das Leben oft nicht einfacher mache. Das sei in Berlin noch unterentwickelt.

Ambitionen auf noch größere Aufgaben in naher oder ferner Zukunft lässt er nicht erkennen. Einen Hund möchte er gerne wieder haben. Dazu fehlt ihm heute einfach die Zeit.

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels.

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