HEIK AFHELDT trifft … : Moritz Waldstein-Wartenberg

Kaffee-Fair-Trader

Moritz Waldberg-Wartenberg,
Moritz Waldberg-Wartenberg,

Coffee Circle haben der junge Neu-Berliner und seine beiden Partner ihre Geschäftsidee genannt – und dann bestellt er bei unserem Treffen Tee! Der Kaffee hier habe sicher nicht die Qualität seines Robusta aus Äthiopien. Der stamme von wildwachsenden Sträuchern aus dem Schatten der Wälder, von Bauern aus kleinen Kooperativen handgepflückt. Eine Auszeichnung vom Feinschmecker belegt, dass das nicht nur Sales Talk ist. Aber zu seinem neuen Fair-Trade-Modell gehört mehr als top Bio-Qualität: Die Erzeuger bekommen nicht nur einen anständigen Preis, sondern aus den Erlösen fließt immer ein Teil zurück in ein lokales Projekt, sei es ein Brunnen oder eine Schule. Deshalb Circle! Im letzten Frühjahr haben sie die GmbH mit einem Darlehen der Sparkasse gegründet. Das sei ganz leicht über die Bühne gegangen, sicherlich auch, weil er in zwei Monaten einen Businessplan erarbeitet hat. Das ist dem Betriebswirt und ehemaligen Mitarbeiter von Roland Berger nicht schwergefallen. Im Juni 2010 haben sie eingekauft – zunächst 22 Tonnen in Hamburg rösten lassen und in Berlin gelagert. Und dann mit dem Verkauf begonnen, übers Internet und zunächst nur an Private. 2012 sollen es 100 Tonnen werden und 2015 1000 Tonnen. Heute erreicht der Umsatz schon gut 600 000 Euro.

Für das ehrgeizige Wachstum haben sie einen Investor – die Tengelmann Stiftung – mit knapp 30 Prozent an Bord genommen. Aber wie kommt dieser hochgewachsene, gut aussehende junge Herr, Spross einer kinderreichen Arztfamilie, auf diese zukunftsweisende Idee? Die Wurzeln liegen vielleicht in seiner Kindheit in einem Bauernhaus bei Salzburg, mit Pferden und eigenen Gemüsebeeten. Die Mutter, heute Schriftstellerin, war Gartenarchitektin. Er selbst erinnert sich als lebendig, rebellisch und laut.

Mit 16 – die Eltern hatten sich getrennt – kam er in die internationale Welt der United World Colleges mit Schülern aus 70 Ländern und einem Akzent auf Sozialarbeit. Und dann hat ihn die Zeit mit einem Bruder, der als Arzt für die Caritas in Äthiopien war, sehr verändert. So viel Elend hatte er noch nie gesehen. Verarmte Kinder, vor allem Mädchen, seien, so sagt er, das größte „Exportgut“ des Landes, 20 000 Euro das „Stück“. Weil Bildung die größte Chance biete, diesen traurigen Kreislauf aufzubrechen, haben sie dort als “Projekt E” eine Schule für Sekretärinnen gebaut. Mit dem Kaffeemodell können sie in Zukunft nun hoffentlich ein noch viel größeres faires Rad drehen. Kaffee weckt auf! Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels.

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