HEIK AFHELDT trifft … : Peter-André Alt, FU-Präsident

Das ist wahrlich kein kleines Schiff, das der Präsident der Freien Universität in schwierigem Wetter auf Kurs halten muss. Mit einem Etat von 270 Millionen Euro und Drittmitteln von 95 Millionen Euro wird in Dahlem in 260 Gebäuden gelehrt und geforscht. 424 Professoren stehen den 28 500 Studenten Rede und Antwort. 2200 Wissenschaftler und 1800 „Verwalter“ müssen bezahlt werden. Alleine die Pensionslasten erreichen jährlich 50 Millionen Euro. Sieben Verbindungsbüros hat die ausgeprägt internationale FU rund um den Globus. Sie ist stolz auf ihre Exzellenz-Cluster, die alle etwas mit der Globalisierung zu tun haben. Ein Viertel aller Doktoranden und 15 Prozent der Dozenten stammen aus dem Ausland.

Wie kommt ein feinsinniger „homme de lettres“, ein Liebhaber der schönen Künste und erfolgreicher Literaturwissenschaftler, dazu, dieses große Bildungs- und Forschungsunternehmen führen zu wollen? Der sensible Professor mit schmalem Kopf, hoher Stirn und Händen, die den Klavierspieler verraten, einziger Sohn aus einer gut situierten alten Berliner Familie aus Westend, hat dazu eine Vermutung. Mathematik und Zahlen waren die Werkzeuge seines Vaters, eines selbstständigen Steuerberaters, im Kern aber ist Vater Alt ausgesprochen musisch und heute auch so aktiv.

Beim Sohn läuft der Lebensbogen anders herum. Literatur hat ihn schon früh begeistert. Nach Karl May ist er, gerade 14, von Kafka fasziniert gewesen. Keine Theaterpremiere hat er ausgelassen. Lesen ist Leidenschaft und Pflicht. „Weglegen gehört sich nicht“, sagt er. Aber schon seit Jahren gewinnt er am Managen und harten betriebswirtschaftlichen Fakten zunehmend Freude. Gespürt hat er das schon als Institutsdirektor und Dekan in Bochum und Würzburg. Besonderes Vergnügen bereitet ihm die Berufungspolitik. Immerhin 40 bis 50 neue Stellen sind jährlich zu besetzen.

Für die FU hat er klare Ziele. Er will in der „nervösen Stadt Berlin“ den schon heute einzigartigen Forschungcampus Dahlem weiterentwickeln. Ein weites und bedeutendes Netz eigener Forschungsgruppen und renommierter Max-Planck- und Fraunhofer-Institute entsteht hier – alle fußläufig erreichbar. Große Nähe sei wichtig. Und die Medizin? Die Charité gehöre einfach dazu! Er ist dafür, dass die Präsidenten der HU und FU dort im Aufsichtsrat vertreten sein sollten. Die Lebenswissenschaften als eine der Stärken der FU sei ohne enge Forschungskooperation mit der Medizin unmöglich. Ein großes Anliegen ist ihm, erfolgreiche deutsche Wissenschaftler aus dem Ausland zurückzuholen und die Ausgründung von Unternehmen aus der Uni zu fördern. 50 Gründungen im nahen Technologiepark gibt es schon.

Eine Familie hat er schon vor gut 20 Jahren gegründet. Seine Frau ist eine nicht minder erfolgreiche Autorin und Mutter ihrer zwei Söhne. Ihre Sehnsucht nach Berlin hat die Rückkehr von Peter-André Alt an seine alte Uni wohl beschleunigt.

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels.

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