HEIK AFHELDT trifft … : Popescu-Zeletin

Fraunhofer-Direktor.

Radu Popescu-Zeletin,
Radu Popescu-Zeletin,

Runder Kopf, graue Stehhaare, breite Brust, offenes Hemd, weiße Manschetten und eine mitreißende Lebendigkeit, das ist der Informatikprofessor und Leiter des Fraunhofer-Instituts Fokus in Charlottenburg. Dort werden bald unter einem Dach 540 Wissenschaftler aus 37 Nationen zum Kernthema „Smarter Cities“ forschen. Lebenswerter und effizienter sollen die Städte werden, in denen heute schon 60 Prozent der Menschen leben. Durch intelligente Informationsinfrastrukturen für Verkehr, Energieversorgung, Gesundheit, Sicherheit oder die Verwaltung. Dafür arbeiten sie mit Unternehmen und Regierungen in Europa, Japan, den USA oder Chile zusammen. Beispiele aus Deutschland: die „Infrastruktur“ für den neuen Personalausweis. Das Jahresbudget erreicht 50 Millionen Euro. Eine auch in der Wissenschaftsstadt Berlin beeindruckende Größe. Wie kommt dieser dynamische Rumäne an die Spitze dieses weltweit aktiven Instituts?

Aufgewachsen ist er als Sohn eines Forstwirtschaftlers und einer Ärztin in Bukarest. Seine strengen Eltern hatten eine ausgeprägte „Deutschneigung“. Der gute und sportliche Schüler war Mitglied der nationalen Basketballmannschaft. Sport und Wissenschaft waren die beiden Tore aus dem kommunistischen Land zu Reisen in die Welt. So studierte er als einer der Ersten Computer Science und baute als Diplomingenieur für SEL die ersten Rechner im Lande. Schon 1969 zog ihn seine erste Frau nach Westdeutschland. Er promovierte in Bremen und ging dann ans Hahn-Meitner-Institut der FU in Berlin. Es folgten die Habilitation und Professur für „Offene Kommunikationssysteme“ an der TU.

International schätzt man ihn als Experten für Netzwerktechnologie. Er hat mehrere Firmen der Telekommunikation gegründet, aber bedauert, dass es hierzulande – anders als in den USA – keine Kultur gäbe, um aus jungen Firmen große wie etwa Oracle oder Apple zu machen. SAP sei die Ausnahme. Er freut sich über den Titel „Commander“ als Träger des rumänischen Ordens pour le Mérite.

Heik Afheldt war Herausgeber

des Tagesspiegels

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben