HEIK AFHELDT trifft … : Siemens-ManagerBurkhard Ischler

Foto: promo
Foto: promo

Siemens hat seit zwei Jahren ein neues Gesicht in Berlin. Es gehört Burkhard Ischler, Betriebswirt, Banker und schon 13 Jahre dabei. Eine Zeit, in der das Weltunternehmen kräftig durchgerüttelt worden ist. Chefs kamen und gingen, Aktivitäten wurden auf- und abgebaut. Die vollen grauen Haare hat der große Mann mit der hohen Stirn nicht deshalb. Sein jugendliches Gesicht und die intensiv blickenden Augen strahlen eine ruhige Energie aus. Die grüne Krawatte zeigt die neue Richtung: Green Industry.

In seiner „Residenz“ in Siemensstadt lässt sich das Haus gut vertreten. Das historische Verwaltungsgebäude zeugt von Selbstbewusstsein und Macht. Außen hat der „schlossartige Gebäudekomplex“ die Fassaden von 1912/13. Wenn man die gläsernen Türen hinter den Springbrunnen und Pfingstrosen durchschreitet, empfängt einen eine nüchterne, sympathische Modernität – ohne die historischen Prunkräume zu opfern. Seine neue Aufgabe gefällt dem jüngsten Sohn eines Medizinerpaares aus Bochum. Auch als Junge hat er es zu Hause gut gehabt. Latein und Griechisch waren seine Lieblingsfächer. Klavier und Tennis hat er gespielt. In den Fußballverein durfte er nicht. Das fanden die Eltern zu gefährlich. Von den Abenteuern in stillgelegten Bergwerken erfuhren sie wohl nichts. Anklang fand der Entschluss, nach dem Abi eine Lehre bei der Commerzbank zu machen. Den Tipp für ein Studium an der privaten European Business School (EBS) im Rheingau verdankt er Skifreunden. Nach vier Jahren mit je einem Semester in Paris und Phoenix/Arizona hatte er sein Diplom. Die M&A-Tochter der BHF-Bank holte ihn als Berater, aber das war ihm bald „zu klein und zu deutsch“. Also wechselte er zur Deutschen Bank und betreute weltweite M&A-Projekte. Hochinteressant – aber er erinnert sich auch an die ständige Hektik und das „ungemütliche Großraumbüro“.

Der Entschluss, nach acht Jahren nach München zu Siemens zu gehen, war wie ein Schritt in „eine andere Welt“! Als Managing Director war er zuständig für das Zehn-Punkte-Programm, mit dem Siemens 1998 neu aufgestellt wurde. Das kostete manche 16-Stunden-Tage und viele Wochenenden. Aber ein privater Merger mit seiner Frau, damals dort für Investor-Relations tätig, war noch drin.

Dreieinhalb Hüte hat er für Siemens auf: oberster Repräsentant in Berlin, die Vertretung in Verbänden, Politikbeziehungen nach Brüssel und die Unterstützung vertrieblicher Aktivitäten. Ohne politische Unterstützung, sagt Ischler, lassen sich große Anlagen nicht mehr verkaufen. Der „Cheflobbyist“ freut sich, dass Siemens nachhaltige Lösungen in wichtigen Zukunftsfeldern anbietet, im Health-Care-Geschäft, im Energiesektor oder im Bereich der Mobilität. Nicht unerwähnt lässt der Opernfreund die bedeutenden Engagements des Konzerns für Musik und Wissenschaften. Die Familie mit Tochter Lina genießt das „bunte Berlin“. Ein Haus, in dem sie das noch „nachhaltiger“ tun können, suchen sie gerade.

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels.

Burkhard Ischler (48) ist Chef des Berliner Büros der Leitung der Siemens AG, des Verbindungsbüros Berlin und der Abteilung Government Affairs in München. Er stammt aus Bochum.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben