HEIK AFHELDT trifft … : Thomas Köhler, Museumsdirektor

Foto: promo
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Er kommt gerade von der Architektur-Biennale in Venedig. Thomas Köhler, hohe Stirn, dunkle Brille, Lenin-Bart und die Höflichkeit in Person ist der neue Mann an der Spitze der Berlinischen Galerie – des Landesmuseums für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur –, bisheriger Stellvertreter und Nachfolger von Jörn Merkert. 11 000 Quadratmeter haben sie dort zur Verfügung, 4500 davon für Ausstellungen, den Rest für die Bibliothek, die Lager und die bis zu 80 Mitarbeiter. 5,6 Millionen Euro beträgt ihr festes Jahresbudget. Dazu kommen Mittel von Sponsoren und Beiträge ihres emsigen Fördervereins.

In der reichen Berliner Museumslandschaft sind sie mit 120 000 Besuchern eine beachtliche Größe. „Das Haus kann richtig mitspielen“, meint der neue Leiter. Allein im letzten Jahr hatten sie ein Plus von 40 Prozent! Kunst, Architektur und Museen sind die Fixpunkte im abwechslungsreichen Leben des ehemaligen „Musterschülers“. Musterschule hieß sein Frankfurter Gymnasium. Seine Eltern hatten ein mittelgroßes Baugeschäft. Neugierig und bildungsinteressiert sei er stets gewesen, in den Ferien meist zu Sprachurlauben unterwegs – und mit Eurorail quer durch Europa. Mit der Jugendgruppe Theater war er in möglichst jeder Aufführung in Frankfurt. Oper war für ihn „superwichtig“, die erste Zauberflöte unvergesslich. Bevor es nach Darmstadt zum Schnuppern der Architektur, dann nach Paris und schließlich zum Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Romanistik an die Uni Frankfurt ging, gab es 20 für ihn wichtige Monate als Zivi dort am Uni-Spital. Schon während des Studiums konnte er am Deutschen Archäologischen Institut in Rom arbeiten und hatte die Chance, beim Aufbau des neuen Frankfurter Museums für Moderne Kunst mitzuhelfen. Als frischgebackener Magister heuerte er dort dann für vier Jahre an.

In der Zeit war er auch als „Curator in Residence“ am Whitney-Museum in New York und als Direktor für das Programm „100 Tage – 100 Gäste“ der Documenta X erfolgreich. Ein Promotionsstipendium brachte ihn zu Donald Judd nach Marfa in Texas. 1998, mit gerade 32 Jahren, folgten zehn lehrreiche Jahre beim Aufbau und in der Leitung des neuen Museums in Wolfsburg. Heute besitzt es einen Fundus von 500 wichtigen Arbeiten. Es war, so sagt er mit Genugtuung, eine Firma und keine Behörde. Gefragt waren Besucherzahlen.

Berlin, gesteht der erfahrene Museumsmann, sei ein hartes Pflaster und die Berlinische Teil eines kompetitiven Systems. Aber mit den Schwerpunkten Berliner Kunstgeschichte, Berlin und die anderen europäischen Metropolen, Zeitgenössische Kunst und Fotografie haben sie ein attraktives Profil. Ob es denn da eine neue Kunsthalle für zeitgenössische Kunst noch brauche, frage ich. Die Antwort: Wenn sich ein Regierender schon für ein solches Projekt engagiere, sollte man das begrüßen, auch wenn das Konzept noch etwas diffus sei. Privat wohnt der Neuberliner in Moabit mit Blick auf den Kanal.

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels.

Thomas Köhler (44) ist seit September neuer Direktor der Stiftung Berlinische Galerie an der Alten Jakobstraße in Kreuzberg (www.berlinischegalerie.de) und promovierter Kunsthistoriker.

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