HEIK AFHELDT trifft … : Ulrich Maas, KPMG-Chef Berlin

Ein angenehmes Ambiente im Garten eines Restaurants in Grunewald und ein äußerst zuvorkommender, tadellos gekleideter Herr: die Haare sorgfältig nach hinten gekämmt, starke Augenbrauen über der goldgeränderten Brille, fliehende Stirn und ein kräftiger Schnauzbart.

Das ist Ulrich Maas, der Mann, der in Berlin eine der vier mächtigen, weltweit präsenten Treuhandgesellschaften von ihrem imposanten Neubau in der Klingelhöferstraße und vom Gründungssitz in der Taubenstraße leitet. Zuständig ist er für Berlin und die neuen Bundesländer. Audit, Tax und Advisory sind ihre Geschäftsbereiche. 8500 Mitarbeiter beschäftigen sie in Deutschland und setzen 1,2 Milliarden Euro um. Weltweit findet man die KPMG in 144 Ländern. Und das Geschäft wächst weiter. Nicht nur in Mittel- und Osteuropa, wo Maas maßgeblich am Aufbau mitgewirkt hat! Alleine in Warschau gibt es mehr als 1000 Mitarbeiter. Überall, wo Marktwirtschaft entsteht, wird die Expertise der Buchprüfer und Steuerberater benötigt. Der Aufbau in Polen begann übrigens mit einem UN-Auftrag zur Schulung von Wirtschaftsprüfern.

Der Sohn eines Kfz-Mechanikers aus dem rheinischen Moers – die Mutter hatte einen Lebensmittelladen – wusste schon früh, was er studieren wollte: BWL. Da war der sportliche Gymnasiast noch Leader der Hardrock-Band „Born to die“ und träumte von weiten Reisen mit dem Auto, die er später quer durch Afrika und nach Nepal gemacht hat. Erst aber kam die Ausbildung zum Industriekaufmann bei Krupp und der Zivildienst beim DRK. Das hat er dann zehn Jahre als Begleiter und Fahrer von Krankenwagen im Nebenjob weitergeführt, ein Zeichen seines ausgeprägten sozialen Engagements. Das Kölner Diplom hatte er nach nur acht Semestern. „Möglichst schnell arbeiten und Geld verdienen“ war sein Ziel. Konzernabschlüsse waren das Thema.

Und es ging schnell! Mit 27 Jahren trat er bei der KPMG in Düsseldorf ein, wurde nach zehn Jahren Partner, 1996 Vorstandsmitglied, 2003 zuständig für den „Öffentlichen Sektor“ in Deutschland und Europa und seit 2004 für die Region Ost. In seiner Düsseldorfer Zeit hat er in so spannenden Projekten wie Vodafone/Mannesmann reiche Erfahrungen gesammelt. Das von ihm gegründete „Institut für den öffentlichen Sektor“ zeugt von seinem nachhaltigen Einsatz für einmal aufgegriffene Themen. Auf die Frage nach seinem eigenen Erfolgsrezept antwortet er: Leistung und Glück!

In zehn Jahren wollen sie der „am weitesten international integrierte“ Konzern sein. Missverständnisse mit der Aussagekraft ihrer Abschlüsse und Testate wird es auch dann noch geben. Die Erwartungen richten sich auf die Zukunft, die Jahresabschlüsse aber geben überwiegend ein Bild der Vergangenheit. Da passt es, dass sich der Vater einer Tochter und Mann einer Steuerberaterin so gerne mit Oldtimern beschäftigt und Rallyes fährt. Die „Schätze der Vergangenheit“ stehen in seiner Grunewalder Garage.

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels.

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