HEIK AFHELDT trifft … : Wolfgang Steiner

Diplom-Ingenieur und Unternehmer

Wolfgang Steiner (68),
Wolfgang Steiner (68),

In allen gängigen deutschen Autos und sogar im Airbus finden sich intelligente Kunststoffteile aus seinen Fabriken, ob am Motor, in der Elektronik, am Airbag oder als Gaspedal. Spritzguss, so erklärt der studierte Fertigungstechniker und Inhaber des Berliner Familienunternehmens, sei ihre Spezialität. Die Maschinen und die komplizierten Formen bauen sie meist selber, hier an ihrem 15 000 Quadratmeter großen Standort in Tempelhof, in Brieselang, in Rumänien oder Indien und in dem gleichnamigen, aber rechtlich selbstständigen Unternehmen in Leer. Das hatten Vater und Onkel nach dem Mauerbau ausgegliedert, „falls die Russen doch noch nach West-Berlin kämen“. Heute gehört das seinem Schwager. Die weitere Expansion von Novapax ist damit keineswegs am Ende. Die weltweit boomende Autoindustrie – 80 Prozent ihrer Abnehmer – nutzt immer mehr Kunststoffteile, weil sie leichter und billiger sind. Aber sie müssten von Jahr zu Jahr ein größeres Rad drehen, damit unterm Strich etwas übrig bleibe. Der Umsatz beträgt 25 Millionen Euro, die Zahl der Mitarbeiter in Berlin 200.

Oldtimer stehen im Regal in seinem Büro und zu Hause in der Garage. „Gas geben“ gehört ganz offenbar zu seiner Lebensphilosophie. Anders als sein Vater, ein Banater Schwabe, der 1949 als junger Diplom-Ingenieur aus Freiberg mit Freunden das Unternehmen in Berlin gegründet hat, sei er keine so ausgeprägte Erfinder- und Forschernatur, erzählt der heute ein wenig wie der liebe Gott ausschauende weißhaarige Sohn. Aber es müsse immer vorwärtsgehen. Das galt schon, als er als Schüler in einer Band gespielt und mit seinem Moped von Berlin nach Holland oder Paris gefahren sei. Und es gilt heute beim Sport und Autofahren, vor allem aber für sein Unternehmen. Ein tüchtiger Nachfolger ist auch schon gefunden, 20 Jahre jünger und eher ein Entwickler. Ob auch die Tochter in die Firma kommt, in der auch seine Schwester arbeitet, ist noch ungewiss. Erst kommt das Abitur.

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels.

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