HEIK AFHELDT trifft … : Wolfgang Wagner, Wirtschaftsprüfer

Foto: promo
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Wer in einem solchen exponierten Büro sitzt, muss eigentlich einen optimistischen Blick auf die Stadt Berlin gewinnen. Wie ein scharfer gläserner Schiffsbug steht das Gebäude von PWC am Potsdamer Platz. Im siebten von 17 Stockwerken begrüßt mich Wolfgang Wagner, der für die Berlin-Aktivitäten und den gesamten „Public Sector“ des global aufgestellten Wirtschaftsprüfungsnetzwerks zuständig ist. In Saarbrücken ist der katholisch erzogene Sohn eines Wirtschaftsprüfers groß geworden – der ehemalige Handballer misst 1,92 Meter. Er strahlt eine große innere Ruhe und Sicherheit aus. Sorgfältige Kleidung, ein großer runder Kopf und eine zurückhaltend elegante Brille.

Mit einem etwas sehnsuchtsvollen Blick auf ein großes abstraktes Ölgemälde im Office verrät er seine unveränderte Begeisterung für Kunst. Nur seine recht durchschnittlichen Abiturnoten haben ein Architekturstudium damals nicht zugelassen. Nach 15 Monaten beim Bund im Westerwald im Nachschub und der ersten Erfahrung mit der „offenen Buchhaltung“ dort hat sich das väterliche Gen bei ihm durchgesetzt. Es wurde BWL und parallel noch ein wenig Kunstgeschichte, danach der Steuerberater und als krönender Abschluss das Wirtschaftsprüfer-Examen. Alles im Zeitrahmen und mit besten Erfolgen. Bis heute bereut er diesen Weg nicht. In seinen Jobs seit 1982 hatte er alles, was er gesucht hat: alle paar Wochen neue Projekte in anderen Unternehmen, internationale Tätigkeit, interessante junge Leute als Kollegen und die Option, selbstständig zu werden, zu einem interessanten Kunden oder in die Lehre zu wechseln. Und tatsächlich lehrt er seit 1998 auch an der HU.

Mit Ausnahme von vier Jahren bei Dyckerhoff-Zement steht er nun in den Diensten von PWC. Bei einem der Vorgängerunternehmen, der Treuarbeit in Frankfurt, hat er angefangen. Seit 1996 ist er im Vorstand und in Berlin. Von 2003 bis 2007 war er auch Mitglied im Globalen Leadership Team und CEO ihres kontinentaleuropäischen Netzwerks. Alleine in Berlin haben sie heute schon 800 Mitarbeiter, in Deutschland 9000 und weltweit 160 000. In Berlin zählen Deutsche Bahn, Landesbank, Vattenfall oder die Flughäfen zu ihren Kunden. 400 Partner bilden in Deutschland die AG. Und es wächst stetig weiter, was zum globalen Wachstum gebraucht wird, Unternehmensberatung, Steuerberatung und die eigentliche Wirtschaftsprüfung.

Mit Clustern wie Gesundheitswirtschaft oder E-Mobilität habe Berlin eine gute Strategie, meint Wagner. Adlershof sei ein beeindruckender Erfolg. „Es lebt sich gut in einer Stadt, die immer etwas über ihre Verhältnisse lebt“, findet der Vater zweier fast erwachsener Kinder und jüngst ernannte „Saarlandbotschafter“. Das Saarland habe ihn geprägt, die vielen Grenzerfahrungen und die Motivation, mit Strukturbrüchen erfolgreich umzugehen. Und der saarländische Spruch „erschtmol gut ess, geschafft han mir noher schnell“ gefalle ihm immer noch.

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels.

Wolfgang Wagner (53) ist Vorstandsmitglied der Pricewaterhouse Coopers AG. Der Diplomkaufmann, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer

wurde in Saarbrücken geboren.

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