Heimlich teurer : Discounter schweigen bei steigenden Preisen

Die Preise für Lebensmittel sind bei den Discountern gestiegen. Heimlich haben die Unternehmen sie in die Höhe getrieben.

Leipzig - Die führenden Lebensmittel-Discounter haben in diesem Jahr nicht nur Preise gesenkt, sondern stillschweigend auch in die Höhe getrieben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Branchendienstes Preiszeiger, über die der MDR am Dienstag berichtete. Demnach hält sich bei Lidl seit Jahresbeginn die Zahl der Preissenkungen mit der Zahl der Preiserhöhungen weitgehend die Waage. Für 356 Produkte hat Deutschlands zweitgrößte Billigmarktkette die Preise gesenkt, 339 Produkte sind teurer geworden. Auch bei der Edeka-Tochter Netto und der Rewe-Tochter Penny hätten sich die Zahlen weitgehend ausgeglichen. „Dieser Trend betrifft keine einzelnen Produkte, sondern verteilt sich gleichmäßig über das Sortiment“, sagte Nicole Heinzmann von Preiszeiger.

Deutlich mehr Preissenkungen gab es laut der Studie beim Marktführer Aldi. Bei Aldi Nord wurden demnach 256 Produkte dauerhaft billiger und nur 81 teurer, Aldi Süd verbilligte 249 Waren und machte 89 teurer. Auch bei Norma gab es deutlich mehr Preissenkungen. Die vorwiegend in Ostdeutschland vertretene dänische Billig-Supermarktkette Netto Stavenhagen hingegen verteuerte sogar mehr Produkte als sie verbilligte. 219 dauerhaften Preissenkungen standen dort 234 Preiserhöhungen gegenüber.

Die Nachricht kommt überraschend: Denn unter den Billig-Supermärkten tobt seit dem vergangenem Jahr ein erbitterter Preiskrieg. Fast monatlich senken sie im Kampf um Marktanteile die Preise und werben offensiv dafür. Da die Beschaffungskosten für Lebensmittel in der Finanz- und Wirtschaftskrise sanken, versuchen die Unternehmen, durch günstigere Preise für ihre Produkte neue Kunden zu gewinnen.

Hinweise auf teurere Produkte finden sich dagegen selten. Beispiel Aldi: Am 5. August warb der Konzern in Anzeigen mit Preissenkungen bei zehn Artikeln. Drei Tage zuvor hatte der Discounter laut Marktbeobachtern bei anderen Produkten die Preise angehoben. Auch das Internet hilft dem Verbraucher wenig: Listen über die Preiserhöhungen der Konzerne finden sich dort nicht. sew/AFP/dpa

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