Wirtschaft : Heinrich von Pierer im Gespräch: "Auch auf den sozialen Ausgleich achten"

Herr von Pierer[wie sehen Sie Ihre Rolle als ein]

Heinrich von Pierer ist seit acht Jahren Vorstandsvorsitzender der Siemens AG. Am heutigen Freitag feiert von Pierer seinen 60. Geburtstag.



Herr von Pierer, wie sehen Sie Ihre Rolle als ein "global leader", wie es gegenwärtig in Davos so schön heißt?

Mit so einem Begriff habe ich Schwierigkeiten. Ich führe einen Konzern, der in fast allen Ländern dieser Erde präsent ist - nicht weniger, aber auch nicht mehr. Meine Verantwortung besteht unter anderem darin, dafür zu sorgen, dass wir uns in allen Ländern als konstruktiver Teil der Gesellschaft verhalten. Das ist übrigens ein Punkt, den Analysten in der Regel nicht ausreichend zu würdigen wissen.

Haben Sie ein Problem mit Analysten?

Überhaupt nicht. Gewissermaßen hatte das Zehn-Punkte-Programm, das wir im Sommer 1998 veröffentlicht haben, sogar einen elften, ungeschriebenen Absatz, der da lautete: Kümmer Dich besser um die Analysten. Aber das Bemühen um Shareholder Value darf auch nicht missverstanden werden.

Inwiefern?

Wir müssen aufpassen, dass durch das Streben nach immer höheren Erträgen der soziale Zusammenhalt einer Gesellschaft nicht verloren geht. Die deutsche Mitbestimmung etwa ist ein Mittel, um einen solchen sozialen Zusammenhalt zu erzeugen.

Teilt die Finanzwelt Ihren Ansatz?

Es gibt angelsächsische Medien, die mich als eine Mischung aus "pragmatischem Kapitalisten" und "Sozialromantiker" bezeichnen. Na ja. Mir geht es nur darum, eine langfristige, auch auf sozialen Ausgleich gezielte Geschäftspolitik zu verfolgen. Wenn wir in China nicht mehr investieren könnten, weil die Investition nicht bereits im nächsten Quartal einen Ergebnisbeitrag abliefert, wäre das auch für die Anteilseigner eine Katastrophe.

Siemens hat sich eher gemächlich auf den Weg ins E-Business gemacht. Fühlen Sie sich nach der Krise an den Neuen Märkten bestätigt?

Einspruch. Wir verfügen bei Siemens über 120 000 Patente; 100 000 Ingenieure arbeiten an Problemen, die im weitesten Sinne etwas mit New Economy zu tun haben. Was mit Unternehmen passiert, die nur Träume und Visionen bieten, konnten Sie in den letzten Monaten an den Börsen beobachten.

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