Wirtschaft : Heinrich von Pierer will seinen Konzern für eine Großfusion fit machen (Kommentar)

Thomas Magenheim

Verkäufe, Allianzen, Börsengänge - Siemens ist dieser Tage ein verlässlicher Lieferant von Nachrichten. Das war nicht immer so. Früher wurde zwar auch viel angekündigt, aber wenig eingelöst. Diese Zeiten haben sich mit dem von Konzernchef Heinrich von Pierer vor gut einem Jahr verkündeten Zehn-Punkte-Programm geändert. Zahlreiche Unternehmensteile werden verkauft oder an die Börse gebracht. Das spült viele Milliarden Mark in die Konzernkasse. Schon fast traditionelle Problemfelder wie die lange unter zu geringer Größe leidende PC-Sparte werden in Kooperationen eingebracht. Das macht den Rücken frei für eine gezielte Vorwärtsstrategie. Schlussakkord der neuen Melodie, die im Hause Siemens erklingt, soll der Börsengang in den USA sein, der für Frühjahr 2001 geplant ist. Dirigent von Pierer hat darüber hinaus aber zweifellos Größeres im Auge. Der derzeitige Kraftakt ist kein Selbstzweck sondern zielt auf die Steigerung des eigenen Aktienkurses. Der ist in letzter Zeit zur Akquisitionswährung unter Weltkonzernen geworden. Diese Möglichkeit wolle sich auch Siemens schaffen, hat von Pierer zuletzt betont. Er will den Konzern fit machen für eine Großfusion. Die entscheidende Frage dabei wird sein, frisst Siemens einen großen Mitbewerber oder wird Siemens gefressen. Beantwortet ist die Frage nicht, obwohl Fortschritte beim Konzernumbau unverkennbar und eine wirkliche Aufbruchstimmung bei den oft als Bank mit angeschlossener Elektroabteilung verspotteten Münchnern spürbar sind. Noch müssen aber Hürden wie die Börsengänge der Chip-Töchter Epcos und Infineon oder die Gesundung der Berliner Verkehrstechniksparte genommen werden. Gefahren zum Stolpern gibt es allemal.

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