Wirtschaft : Heinz Badekow

Geb. 1920

Tatjana Wulfert

„Ah“, sagten die Leute, „da kommen wieder Vater und Sohn.“ Den Weg des Vaters wird das Kind auch gehen. Wenn auch auf eine eigene Art.

Der Kurfürstendamm war noch eine feine Adresse; Damen, in Pelze gehüllt, und Herren mit Frack und Zylinder, die den Damen galant die Türen zu den vornehmen Cafés aufhielten, verschwendeten ihr Geld in exquisiten Modegeschäften, ließen sich französischen Champagner und russischen Kaviar von höflichen Kellnern reichen, flanierten auf und ab, vorbei an der stolzen, intakten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche.

Martin Badekow, der Vater Heinz Badekows, betrieb ein angesehenes Fotoatelier am Kurfürstendamm. Die Berliner Filmwelt ließ sich von ihm porträtieren. Die Bilder, zum Beispiel der jungen, noch nicht ganz schlanken Marlene Dietrich, kann man sich heute im Babelsberger Filmmuseum ansehen.

Auch Automobile für Hochglanzmagazine lichtete er ab. Hin und wieder konnte er sich einen solchen eleganten Flitzer ausleihen, platzierte seinen Sohn mit einem Freund samt Grammophon auf dem Rücksitz eines Cabrios und fuhr ans Meer, derweil die Jungen den Apparat ankurbelten und lauthals die damals beliebten, später als Negermusik verpönten Swingstücke mitsangen.

Heinz Badekow, der Sohn, begann eine Feinmechanikerlehre. Er erlernte den Umgang mit der Kamera und konnte sie zudem auch reparieren. 1940 musste er die Lehre abbrechen und an die Front. Er geriet in Kriegsgefangenschaft in Königs Wusterhausen. Am 13. August 1945 stellte sich ein russischer Offizier vor die müden verwundeten Soldaten und sagte: „Wer laufen kann, kann nach Hause gehen.“ Heinz Badekow befand: „Wir können alle laufen.“ Mit Granatsplittern im linken Bein machte er sich um 20 Uhr 30 auf den Weg und kam am nächsten Morgen um 9 Uhr 35 in der Mommsenstraße bei seinen Eltern an.

Die Amerikaner beauftragten Heinz Badekow, das zerstörte Berlin für die Wochenschau mit der Kamera zu dokumentieren. Er filmte die Ruinen, später den Wiederaufbau und den Mauerbau. Bildjournalisten arbeiteten damals zumeist ohne Assistenten. So klingelte auch mitten in der Nacht das Telefon bei Heinz Badekow, und er musste sich allein und verschlafen auf den Weg machen, um einen Ost-Berliner Flüchtling oder anrollende Panzer aufzunehmen.

Seine Auftraggeber schickten ihn in die ganze Welt: nach Wien und Istanbul, nach Indien und Afrika. In Afrika drehte er im eigenen Auftrag einen Farbfilm über ein Schulprojekt. Diesen Film konnte er nie verkaufen.

Martin und Heinz Badekow traten in der Berliner Gesellschaft immer gemeinsam auf. „Ah“, sagte man, „da kommen wieder Vater und Sohn“. Sie erschienen bei Heinz Holl in der Damaschkestraße, einer Kneipe für Schauspieler und Journalisten, in der man die größte Kohlroulade Berlins essen konnte, oder bei Ritchie, einem angesagten Lokal gleich an der Schaubühne.

Auch Friederike, seine Frau erblickte ihren zukünftigen Ehemann zunächst in Begleitung seines Vaters. Sie lernten sich 1958 bei einem Fest des SFB kennen. Heinz Badekow sprach die junge Praktikantin an: „Komm Mädel, lass uns einen trinken.“ Darauf sie: „Sagen Sie mal, seit wann duzen wir uns?“ Und er: „Wir sprechen uns noch!“

1962 fand die Hochzeit statt.

Aus dem Duo wurde ein Trio, und das blieb so bis zum Tod Martin Badekows. Das Fehlen des geliebten Vaters und Schwiegervaters ließ Heinz und Friederike noch enger zusammen sein. Was sie vorher zu dritt erlebt hatten, erlebten sie nun zu zweit: den Berliner Presseball, den Opernball, die Kneipenabende. Den letzten Presseball besuchten sie im Jahr 2000. Friederike Badekow musste ihren Mann überreden. „Ach“, sagte der, „meine Knochen, tanzen kann ich sowieso nicht mehr“. Seine Frau blieb beharrlich. Also schenkte er ihr ein neues Ballkleid, und obwohl es keinen gemeinsamen Walzer mehr gab, waren sie beieinander.

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