Wirtschaft : Heinz Bauers deutsche Lösung

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Von Henrik Mortsiefer

Rupert Murdoch und Silvio Berlusconi werden die deutsche Fernsehlandschaft nicht umpflügen. Vor einem halben Jahr hätte diese Nachricht noch für landesweite Erleichertung gesorgt. Heute wird die Meldung, dass die KirchGläubiger eine „deutsche Lösung“ für den insolventen Film- und Fernsehkonzern gefunden haben, gelassen hingenommen. Doch das milliardenschwere Geschäft, das die Insolvenzverwalter am Mittwoch in die Wege geleitet haben, ist nicht weniger brisant als der befürchtete Einmarsch der Fernseh-Tycoons. Wenn die Kaufverträge wie geplant mit dem Bauer-Verlag unterschrieben werden, wird in diesen Tagen Fernsehgeschichte geschrieben.

Denn der Bauer-Verlag ist dabei, eine Medienmacht aufzubauen, die der von Leo Kirch ziemlich nahe kommt. Heinz Bauers deutsche Lösung: Der größte deutsche Verleger von TV-Programmzeitschriften wird zugleich Deutschlands größter Fernsehveranstalter. Da ergeben sich Synergieen, von denen andere Branchen nur träumen. Für die Medienwächter ist es ein neuer Alptraum.

Die Sorgen der Wettbewerbshüter sind berechtigt. Denn die Sitten in der Medienindustrie sind rauer geworden. Vielfalt zählt weniger als Rendite. Und Rendite lässt sich am besten machen, wenn eine Hand Druckauflage und Zuschauer-Quote gleichzeitig im Griff hat. Ein Verlag wie Bauer, der den Massengeschmack genau kennt und viel Geld damit verdient hat, wird keine Chance verpassen, die Verbindung von Print- und TV-Medien zu nutzen. Der medienübergreifende Verkauf von Inhalten wird eine neue Blüte erleben. Wenn alles so kommt, wie Bauer es sich erhofft. Doch die Verhandlungen haben gerade erst begonnen. Der Ring ist frei, die medienpolitische Debatte ist wieder eröffnet – auch ohne Murdoch und Berlusconi.

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