Heiße Weihnacht : Dekobranche bereitet sich auf das Fest vor

Ein Vertrieb für weihnachtliche Dekoartikel feiert eine riesige Party in Berlin - mitten im Hochsommer. Die Veranstalter lassen nichts anbrennen.

Lisa Splanemann
Auf dem Weg. Weihnachten steht vor der Tür - für die Dekobranche und den Handel. Schon im Hochsommer wird eiskalt an das Geschäft im Dezember gedacht. picture alliance / dpa
Auf dem Weg. Weihnachten steht vor der Tür - für die Dekobranche und den Handel. Schon im Hochsommer wird eiskalt an das Geschäft...Foto: picture alliance / dpa

Berlin - Der größte Saal in Deutschlands größtem Hotel, dem Estrel in Berlin-Neukölln: Samstagabend, draußen herrschen noch mehr als 30 Grad Celsius. Drinnen gibt es gedämpftes Licht, rosa und weiß. Mehrere hundert Tische sind gedeckt, mit Kerzenständer und Silberbesteck. 1500 Frauen haben Platz genommen und warten auf die Show: Weicher Pop tönt aus den Boxen, eine brünette junge Dame betritt die Bühne, tänzelnd, die Augen geschlossen, sie schwebt – wie in Trance – scheinbar ohne Ziel übers Parkett. Superkurzer Rock, superenges Top.

Endlich tritt aus dem Hintergrund ein Adonis dazu. Er fängt sie auf, er hebt sie hoch. Ein Projektor wirft Bilder vom eigentlichen Star des Abends an die Wand: Die schwarz-weiß gehaltene Kerzenkollektion „Forbidden Fantasy“ (verbotene Fantasien). Die gibt es wahlweise in der Duftnote „feuriger Moschus“ oder „würziger Cognac“. Kostenpunkt: rund 40 Euro. Dafür brennen sie 64 Stunden und fangen „sinnlich und gefühlvoll“ das Ambiente ein, heißt es. Dafür Applaus.

„Das war Sex pur auf der Bühne“, wird Jörg Peter später am Abend sagen. Der Kommunikationsleiter des Unternehmens PartyLite. Das in den USA gegründete Unternehmen beschäftigt weltweit mehr als 50 000 „Beraterinnen“ in 18 Ländern, in Deutschland sind es über 10 000 freie Mitarbeiter, 90 Prozent davon sind Frauen. Das Unternehmen ist damit nach eigenen Angaben einer der führenden Direktvertriebe weltweit.

Die Firma hat sich auf Dekoartikel, vor allem auf duftende Kerzen, spezialisiert. Das Verkaufsprinzip von PartyLite funktioniert ähnlich wie bei Tupperware: Die sogenannten Gastgeberinnen veranstalten Partys in ihrer Wohnung, wo sie die auf eigene Rechnung gekauften Artikel an Bekannte weiterverkaufen. „Die Leute lieben diese Art von Verkauf“, behauptet Martin Koehler, Europachef von PartyLite. Der Grund sei der soziale Aspekt des direkten In-Kontakt-Tretens.

An diesem heißen Augustabend präsentiert PartyLite seinen Verkäuferinnen also die ersten Weihnachtsprodukte der neuen Herbst- und Winterkollektion – erstmals ist auch die Presse geladen. Und so viel darf heute schon verraten werden: Weihnachten wird auch in diesem Jahr wieder total sinnlich. Zu früh dran mit der Vorstellung ist das Unternehmen aber nicht. „Wir müssen möglichst früh damit beginnen, unsere Verkäuferinnen mit den Produkten vertraut zu machen. Der offizielle Verkauf beginnt am 1. September“, sagt Europachef Koehler. „Unsere Verkäuferinnen kommen jetzt aus dem Urlaub wieder. Damit beginnt der Kick-off für die neue Saison.“

Er hat einen Veranstaltungsraum des Hotels zum „Produktshowroom“ umgestalten lassen. Gedimmtes Licht aus Duftkerzen mit Zimt- und Lavendelgeruch verströmt dort noch mehr Weihnachtsatmosphäre. Nussknacker stehen bereit – zwar mit Kerzen auf dem Kopf, aber leider ohne Nüsse. Wie bei einem typischen Weihnachtsmarkt wurden die Artikel in Holzbuden drapiert: glitzernde Rentiere, leuchtende Schneekugeln, blinkende Weihnachtsbaum-Kerzenständer. Eine langjährige Mitarbeiterin, die bei der Dekoration mitgeholfen hat, bestätigt: „Schon jetzt bin ich für die nächsten Wochen ausgebucht. Erste Anfragen bekomme ich bereits im Mai.“

Die Vertriebsprofis von PartyLite glauben – oder behaupten zumindest –, dass die deutschen Kunden und vor allem Kundinnen sich zunehmend an dem amerikanischen Trend orientieren. Dort dekoriert man das eigene Heim möglichst üppig und möglichst früh. „Nach den USA ist Deutschland unser absatzstärkster Markt“, erklärt Koehler. Das liege hauptsächlich an der deutschen Weihnachtstradition mit Weihnachtsmärkten und weihnachtlichen Produkten im Vorverkauf, orakelt er. Gerade wegen dieser Verkaufsstärke will PartyLite jetzt auch stärker in die Öffentlichkeit treten.

So gewährt dieser Abend Einblicke in den Advent: Auf den weiß-grünen Samtdeckchen werden den Veranstaltungsbesuchern die Trends präsentiert. „Besonders beliebt ist das nordische Weihnachtsmotiv, beispielsweise klassische Rehe“, sagt die Verkäuferin. Vorausschauend hat PartyLite in diesem Jahr auf Klassiker gesetzt, die aber neue Funktionen vorweisen: So wird aus dem Nussknacker ein blinkender Kerzenständer, in einer Schneekugel sind drehende LED-Lichter integriert. Besonders stolz ist der PartyLite-Europachef auf eine winterliche Duftkollektion. „Loorbeer, Zimt und Apfel sind typische Weihnachtsdüfte, mit denen wir Kindheitserinnerungen wecken wollen. Dieses Jahr soll Weihnachten aber sinnlich werden“, erinnert er. Die neuen Eros-Kerzen dürften dabei helfen.

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